Von Selbsttäuschungen und dem Wunsch nach „Immer-Mehr“

Dieser Tage fiel mir wieder eine Schlagzeile „in die Hände“, die mich schon im Sommer letzten Jahres dazu bewegte, mir die Frage zu stellen, in welcher Gesellschaft wir  Deutschen eigentlich leben!

So äußerte sich die Kanzlerin im Rahmen des vor ihr herausgegebenen Buches „ Dialog über Deutschlands Zukunft“ auf der Pressekonferenz „verwundert“ darüber, dass die Deutschen so sorglos mit der „Finanzkrise“ umgingen, wogegen sie selbst die Frage umtreibe, wovon Deutschland in Zukunft leben soll.

Liebe Frau Merkel, ich bin ganz Ihrer Meinung, wobei dies nicht oft der Fall ist. Mich wundert dies auch und vor allem wundert mich, wie viele der Menschen gerade in Deutschland den Unfug, den Sie und Ihresgleichen von sich geben, glauben und das immer und immer wieder. Sind wir wirklich so naiv? Wollen wir nichts hören und sehen? Sind wir so politisch korrekt, dass wir es akzeptieren, wenn unsere europäischen Nachbarn beleidigt und lächerlich gemacht werden, nur weil sie sich mit Händen und Füßen gegen ihre Ausbeutung wehren?

Neulich warf mir mal wieder ein ansonsten sehr realistisch denkender Mit-Mensch vor, ich sei so „schwarz-malerisch“ und ich solle im Hinblick auf unsere Lage in Deutschland nicht so „kritisch“ sein! Anderen ginge es schließlich viel schlechter und so schlimm würde es schon nicht werden. Die Supermärkte sind voll, getankt werden kann rund um die Uhr, Gehalt kommt jeden Monat pünktlich, die Restaurants sind belegt – also bitte! Ich brauche nur dem Mainstream in Politik und Wirtschaft zu folgen und überall wird das Loblied auf Beschwichtigung, Verleumdung, Verniedlichung gesungen. Ich komme mir vor wie in einem Vakuum – drehe ich langsam durch?

Ich stelle mir oft die Frage, wovon Deutschland in Zukunft leben soll!  Das Allensbach-Institut hat errechnet, dass inzwischen jeder Fünfte über einen Wegzug aus Deutschland nachdenkt; alle vier Minuten verlässt ein Deutscher sein Land.  Blöderweise sind das zu einem Großteil die gut Ausgebildeten, die „Macher“ und nicht die Schwätzer. Die, die sich ihr Einkommen nicht stehlen lassen wollen durch eine Staatskrake, die jeden Tag gefräßiger und unüberschaubarer wird sondern selber entscheiden möchten, wie sie ihr selbst verdientes Geld ausgeben  und vor allem wann und wofür. Die Schwätzer und die Krakeeler bleiben hier, denn hier gibt es eine Menge zu holen (noch)! Wenn der Tag kommt, und er wird kommen, wo hier keine Sozialleistungen mehr abgegriffen werden können und Deutschland nach dem großen Raubzug wieder aufgebaut werden muss, dann sind die Schwätzer und Krakeeler über alle Berge und verschandeln woanders das Land.

Ich habe das Gefühl, wir werden von diesen Pseudo-Gutmenschen inzwischen überrannt. Aus allen Ecken schallen Verbote, Normierungen und Verhaltensregeln. Wir dürfen dies nicht und vor allem das nicht, wir sollen nicht rauchen, kein Fleisch essen, möglichst kein Wasser verbrauchen, mit Kerzenlicht die Räume erhellen, das Auto abstellen, auf gar keinen Fall noch die alten Glühbirnen verwenden, nur noch gerade Bananen essen,…… Stattdessen sollen wir aber, und das bitte ohne zu Murren, die schwachsinnigsten Gesetze, Vorschriften, Belehrungen und Beschulmeisterungen über uns ergehen lassen und vor allem zahlen, zahlen, zahlen, immer natürlich zu unserem Besten!

Kein Wunder, dass die, die selbst denken können und die Möglichkeit haben zu flüchten, davon Gebrauch machen. Kein auch nur ansatzweiser freiheitlich und klar denkender Mensch erträgt diese Bevormundungen und Irrsinnigkeiten auch nur einen Tag länger als unbedingt nötig.

In welcher Gesellschaft leben wir, wenn die, die immer mehr ihrer Freiheit beraubt werden, Konsequenzen ziehen und sich aus diesem Land verabschieden? Wenn zu einem Großteil nur noch die übrig bleiben, die es klasse finden, wenn ihnen ihr Leben von einer nicht gewählten Eliteeinheit in Brüssel vordiktiert wird. Die es super finden, wenn Begriffe wie Kapitalismus und Marktwirtschaft, durch den erst der Wohlstand – auf den sie jetzt so abfällig herunterblicken, möglich wurde, mit Füßen getreten werden. Die sich gerne der Illusion hingeben, dass alles gut werden wird, wenn man nur die Reichen stärker besteuert. Die glauben, dass die Banken allein an allem Schuld sind, alles besser wird, wenn nur noch mehr verstaatlicht wird und die meinen, dass Dramen wie die Pleite der Landesbanken und des Berliner Flughafens Ausnahmen sind. Die der Überzeugung sind, dass mehr Gesetze und mehr Kontrolle bessere Menschen aus uns machen.

Die sich unter gar keinen Umständen verändern und umstellen wollen sondern glauben, dass es immer so weiter geht. Die den Menschen, die für den „Staat“ arbeiten, mehr zutrauen als sich selbst und die jede Form der Kritik an staatlichen Einrichtungen und deren Bevormundung als Majestätsbeleidigung ächten. Die jede Steuererhöhung als göttlichen Akt betrachten. Die es spitze finden, wenn wir alle gleich sind, nur damit die eigene Unzulänglichkeit und Mittelmäßigkeit nicht auffällt. Die ausblenden, dass jeden Tag weniger Menschen für den Lebensunterhalt der Anderen aufkommen können, weil  sie einfach immer weniger werden. Die es für völlig normal halten, dass eine Staatsquote von mehr als 50 % als Kapitalismus gilt. Die es gut finden, wenn Leistungsträger in diesem Land bis zu 70 % an Abgabenlast tragen und dann noch fordern, dass es bitte mehr werden soll. Die verdrängen, dass es egal ist, ob man ein Leben lang gearbeitet hat oder nicht, die Rentenleistungen nahezu identisch sind.

Die fest daran glauben, dass irgendwelche Bürokraten Interesse an ihrem Wohlbefinden haben. Die immer dem glauben, was sich gut anhört und sicher aussieht und die keinerlei Interesse an der Realität haben, weil die einfach zu unschön ist und sie in der Wohlfühlwelt stört. Die komplett ignorieren, dass alle sozialen Wohltaten durch Schulden realisiert werden und somit auf Kosten der nächsten Generationen gehen, nur damit Politiker sich den Heiligenschein-Gutmenschen-Mantel umhängen können. Die glauben, dass die Schulden ohne Schmerzen und Einschnitte einfach so verschwinden und nicht wahr haben wollen, dass dieser Wohlfahrtstaat schon seit Jahrzehnten über seine Verhältnisse lebt. Die mit dem Begriff „soziale Gerechtigkeit“ hausieren gehen, ohne auch nur ansatzweise erklären zu können, was dies eigentlich heißt.

Ich weigere mich zu glauben, dass die Menschen in diesem Land sich gern vom Staat gängeln, belügen und maßregeln lassen. Ich weigere mich auch zu glauben, dass die Brüsseler Folterinstrumente langfristig Erfolg haben werden. Ich weigere mich zudem zu glauben, dass die Taten und Gedanken eines Ludwig Erhard so in Vergessenheit geraten sind.

Ich habe die Hoffnung, dass es den Menschen auch hier irgendwann reicht und sie für ein lebendiges, vielfältiges und freies Europa eintreten. Freiheit ist unsere einzige Chance, wenn wir reif genug sind, für uns selbst Verantwortung zu übernehmen und uns nicht der Über-Nanny ausliefen wollen.

Niemand hat jemals behauptet, dass Freiheit immer einfach wäre. Aber ich behaupte, sie ist trotz gelegentlicher Unbequemlichkeit die einzige Alternative, wenn wir vom großen Bruder nicht zerquetscht werden wollen!

Hierzu passt ein Beitrag von Prof. Dr. Hans J. Bocker, den ich wegen seiner klaren und deutlichen Worte sehr schätze!