Schöpfer der Gerechtigkeit

Liebe Leserinnen und Leser der politisch korrekten Gesellschaft, ich möchte Ihnen heute eine Geschichte erzählen; sie ist rein fiktiv – jede Ähnlichkeit mit Ihnen möglicherweise vertrauten Personen und/oder Situationen ist purer Zufall.

Gestern hatte ich eine phantastische Idee!

Diese ganze Arbeit mit der ich mich jeden Tag arrangieren muss, die Kompromisse, die ich notwendigerweise eingehe, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen, obwohl ich viel lieber meinen „wahren Talenten“ nachgehen würde, die Wochenend- und Abendstunden, die ich für meine Karriere „opfere“,  gehen mir schon lange auf die Nerven. Immer dieses frühe Aufstehen, die langen Stunden im Büro, die Nörgeleien meines Chefs, die wenige Freizeit, das ist doch kein Leben mehr! 30 Tage Urlaub im Jahr sind mir auch viel zu wenig, da kommt man ja kaum zu etwas. Vor allem zu nichts, was den wirklichen Sinn des Lebens ausmacht.

Viel lieber würde ich meine Familie, meine Freunde und Bekannten öfters sehen, viel mehr Freizeit haben, endlich zeigen können, was wirklich in mir steckt und das ganz ohne jeden finanziellen Druck. Blöderweise kann ich das aber nicht, weil mir immer der zeitraubende Job dazwischen kommt und ich meinen Verpflichtungen nachkommen muss! Also werde ich mein Problem nun anders lösen!

Ich habe eine gute Freundin, die ist Anwältin! Sie hat eine gut gehende Kanzlei und da wir uns schon lange kennen, weiß ich, dass sie in den letzten Jahren so viel Steuern gezahlt hat, wie manche Menschen im ganzen Jahr nicht verdienen. Ich glaube ganz fest daran, dass sie trotz des vielen Geldes deutlich weniger Stunden arbeitet als ich. Sie hat zwei Angestellte, spielt regelmäßig Golf, macht meines Wissens nach teuren Urlaub, geht fast jeden Abend essen. Eine Haushaltsfee zu ihrer Entlastung hält ihr bei der Hausarbeit den Rücken frei. Insgesamt gönnt sie sich ein herrliches Leben. Sie hat überhaupt wenig Stress, das sieht für mich zumindest so aus. Auch ist sie als Freiberuflerin insgesamt als sehr glücklich zu bezeichnen. Keiner, der ihr Vorschriften macht, niemand, der ihr Anweisungen gibt und ihre Arbeitszeit kann sie sich relativ frei einteilen.

Ein Leben wie im Schlaraffenland.

Diese ganzen Umstände finde ich sozial total ungerecht! Und weil ich das sozial ungerecht finde, habe ich sie nun aufgefordert, mir die Hälfte ihres Einkommens abzugeben. Ich habe ihr auch erklärt, dass ich das ab sofort nun jedes Jahr einfordern werde. Ich habe argumentiert, dass sie ja trotz bereits gezahlter Steuern immer noch so viel übrig hat, dass andere davon fünfmal leben können und dass ihr das doch gar nicht weh tut. Ich habe ihr versichert, dass ich mit dem Geld sorgfältig umgehe und nur im äußersten Notfall  innerhalb der Jahresfrist nochmals auf ihr Portemonnaie zurückgreifen muss.

Ich habe ihr erklärt, dass sich durch die Abgabe an mich zwar nicht wirklich etwas ändert, weil das Geldsystem an sich marode ist und ich auf Dauer immer mehr von ihrem Geld benötigen werde, aber das muss sie nicht stören, schließlich geht das allen so! Ich habe vergessen zu erwähnen, dass es wahrscheinlich ist, dass ich immer mehr von ihrem Geld einbehalten muss, da die Grenze des Einkommens, was ihr zusteht, immer kleiner werden wird. Ich habe aber die Vermutung, dass ihr das über die Zeit nicht auffallen wird. Ich habe viel Phantasie, den Trick jubele ich ihr schon unter.

Und falls es ihr doch auffällt, rede ich ihr einfach ein schlechtes Gewissen ein – das hilft immer! Über die Zinsen, die ihr nun verloren gehen, weil sie ja nicht mehr so viel zu verzinsen hat, braucht sie sich auch keine Gedanken mehr zu machen. Die Zinsen waren eh sozial ungerecht, jetzt kann sie endlich ruhig schlafen, da sie andere nun nicht mehr ausbeutet. Ich habe ihr erklärt, dass Zinsen moralisch verwerflich sind. Das stimmt zwar nicht, aber es hört sich so gut an!  Ich habe ihr verschwiegen – aber ich habe ohnehin den Eindruck, dass sie das nicht interessiert – dass es unser Falschgeldsystem ist, was ihr und allen anderen schadet und dass wir das Problem nicht lösen werden, indem ich ihr Eigentum stehle. Aber sie muss einfach verstehen, dass niemand seine Hausaufgaben machen muss, bis die letzte Zitrone mit dem Argument der „sozialen Gerechtigkeit“ ausgequetscht ist.

Da meine Freundin ein bisschen begriffsstutzig ist, wiederhole ich die Aussage von Katja Kipping (Die Linke): „Es bedarf einfach einer enormen Umverteilung“.  Ich finde diese Frau super und vor allem so selbstlos und großzügig. Gut, es ist zwar das Geld anderer Leute, was sie da fleißig „umverteilt“, also den einen wegnimmt um dieses dann nach einem faszinierenden Schwund auf dem Weg durch die Bürokratien an die verteilt,  die sie beim nächsten Mal wählen sollen.

Nun, meine Freundin argumentiert, ich könnte mir ja auch einen anderen Job suchen, wenn ich der Meinung bin, dass mein Einkommen nicht für meinen gewünschten Lebensstandard ausreicht. Meine Freundin ist wirklich eine nervige Person. Schon wieder muss ich auf Frau Kipping zurückgreifen:  Liebe Freundin, auch Frau Kipping ist der Meinung, „dass es doch absurd ist, einen Öko dazu zu zwingen, in der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit des ADAC zu arbeiten und für den Straßenbau zu werben!“

Ich finde, dies ist genau die richtige Einstellung. Ich möchte nicht mit etwas meinen Lebensunterhalt verdienen, was nicht in mein Weltbild passt. Es ist viel bequemer, denen etwas wegzunehmen, die mehr haben als sie brauchen. Die „Reichen“ sind sowieso unbeliebt, da kommt es sogar noch gut an, wenn man diese Leute bestiehlt. Die haben das nicht anders verdient! Das Schöne an der Sache ist, dass im Laufe der Zeit die „Reichen“ immer neu definiert werden.  Im Moment sollen das die sein, die über eine Million Euro an Privatvermögen haben. Wenn das erst mal super durchläuft, ist nach unten keine Grenze mehr gegeben. Es wird einfach so lange umverteilt, bis kein Reicher mehr da ist. Dass das zwar nicht für ein Mehr an Wohlstand sorgt sondern nur den Vorhandenen anders aufteilt – egal! Alle werden glücklich sein, daran glaube ich ganz fest. In der Folge haben wir auch endlich keinen Neid mehr. Gut, dann muss noch dafür gesorgt werden, dass auch im Geiste eine Vereinheitlichung erfolgt, aber das kriegt man bestimmt auch noch hin.

Meine Freundin meint, dass diese Idee keine gute Idee ist. Sie ist der Meinung, dass möglicherweise die Lust an der Arbeit denjenigen abhandenkommt, die das Geld für die Umverteilung erwirtschaften sollen.

Mir ist das zu anstrengend mir meiner Freundin! Ich werde einfach im September eine der großen Parteien wählen. Die Politiker sind viel geschickter darin, salbungsvolle Worte zu finden. Diese Worte bewirken, dass meine Freundin dann im Namen der sozialen Gerechtigkeit zu ihrem Glück gezwungen wird. Ein sehr guter Plan!

Sie finden, dies ist Satire? Nicht doch! Diese Diskussionen finden nun seit Monaten statt und kaum jemand wehrt sich gegen diese Verblödung der Massen. Kaum jemand regt sich darüber auf, dass unser Geldsystem auf einem für andere Menschen verbotenem Schneeballsystem aufgebaut ist. Stattdessen werden die „fatalen Zinsen“ und die „reichen Menschenausbeuter und unverantwortlichen Kapitalisten“ an den Pranger gestellt. In einem gesunden Geldsystem wären die exzessiven Auswüchse gar nicht möglich gewesen, aber wer interessiert sich schon für die Wahrheit? Populismus ist viel aufregender und erfordert auch nicht so viel geistige Anstrengung.

Wenig Anstrengung und Mühe ist in diesen Zeiten wieder schwer angesagt!