Von Löwen und Hyänen

Altruistische Moral vs. Prinzipien des Kapitalismus

Seit den späten 60er Jahren verhindert ein 3-Köpfiger Leviathan das Paradies auf Erden: Der US-Imperialismus als das eine, der Rassismus als zweites und das größte, in der Mitte – ein Haupt mit gierigen, feurig-roten Augen und einem aufgerissenen, mit Reißzähnen bewaffneten Rachen – der Kapitalismus.

Um an die anderen Häupter erst ranzukommen, glaubten die “Befreier der Gesellschaft” diesen Kopf zuerst abschlagen zu müssen. Die edlen Ritter des Altruismus haben inzwischen ihren Kreuzzug längst aufgegeben. Neben dem Fehlen glaubwürdiger Alternativen ist aber ihr wichtigstes Problem, dass ihre sozialen Konzepte sich in direkter Abhängigkeit von ihrem Erz-Feind befinden, abhängig wie der Klerus vom Teufel.

In Diskussionen erkennt man eine Mehrheit, die offensichtlich sozialistische System-Alternativen in unserer Gesellschaft ablehnt, die aber auch zunehmend versucht, dem vermeintlichen Kapitalismus Regularien auf zudiktieren, welche ihn zu einem “sozialeren Verhalten” nötigen sollen.

Der, in diesem Sinne, politisch unverdächtige Karl Mannheim schrieb 1949 (“Freedom, Power & Democratic Planning”) über die heuchlerische Einstellung der Wirtschaftspolitiker: “Wenn sie einen Schuster betrachten, sehen sie einen Mann, der für seinen Unterhalt arbeitet. Als Ökonom sehen sie jedoch jemanden, mit dem Zweck die Gesellschaft mit Schuhen zu versorgen. Wenn diese Politiker sozialistische Doktrinen hören, lehnen sie diese zwar empört ab. Aber als Ökonomen befürworten sie die “Pflicht des Staates” den Wohlstand gerecht zu verteilen – als ob dieser ein soziales Gut sei!”

Bei Debatten um Freiheit und soziale Gerechtigkeit offenbaren die Teilnehmer meist ähnliche Ziele oder “Wünsche”, so differenzieren sie sich jedoch umso schärfer hinsichtlich der Ursachen der Missstände und Wahl ihrer Mittel und Wege. Freiheit und Recht sind aneinander gebunden und beide Begriffe verbergen die zahlreichsten und gefährlichsten moralischen Tretminen. Ein Ausweg ist es, zunächst auf eine sichere, gemeinsame Plattform zu gelangen und Argumente auf akzeptable Prämissen zu stellen. Unser Ausgangspunkt ist unser gegenwärtiges Wirtschafts-System.

1. Wir leben mitnichten in einem echten Kapitalismus, sondern einer Mischwirtschaft. Diese beschreibt Ayn Rand 1967 am treffendsten:

Eine Mischwirtschaft trägt die Merkmale von mafiösen Machtverhältnissen von unzähligen Aktivistengruppen und Lobbys, ohne moralische Prinzipien, ohne Programm, Richtung, Bestimmung oder langfristigen Zielen. Mit dem stillschweigend akzeptierten Glauben an die Regeln der Macht als gemeinsamen Nenner.”

2. Einen reinen Kapitalismus gab es bisher noch nirgendwo, daher kann man ihn auch nicht kritisieren: Nur weil verunreinigtes Wasser krank macht, hören wir schließlich nicht auf Wasser zu trinken. Tasten wir uns gemeinsam weiter:

3. Von den meisten Menschen hören und lesen wir, dass sie bereitwillig denken, wir leben (noch) in einer Demokratie, glauben aber gleichzeitig sie werden von dem Kapitalismus “beherrscht”. Das entbehrt einer gewissen Logik, da eben das wirtschaftliche System der herausragendste Teil eines Staates ist. Eine “sozialistische Demokratie” wäre ein contradictio in adjecto. Die ehemalige “DDR” ist so ein Beispiel. Demokratie ist leider kein Eingetragenes Markenzeichen und jede Nation, in der ein paar Leute periodisch Zettelchen in einen Kasten werfen darf sich so nennen.

4. Ausbeutung ist weder eine Erfindung, noch ein Merkmal des Kapitalismus. Gier, Neid und Machthunger sind System-unabhängige menschliche Eigenschaften. Sonst, müsste man auch sagen, dass z.B. Machthunger auch ein Merkmal der Demokratie sei.

5. Der Kapitalismus ist also keine Staatsform, sondern die rationale Umsetzung von menschlichen Basis-Rechten. Seine Hauptprinzipien bestehen in der unbedingten Anerkennung des Rechts auf privates Eigentum und des freien, gleichberechtigten Handels. Für die Argumentation des Eigentumsrechts habe ich keine bessere Abhandlung (deutschsprachig, kurz und bündig) gelesen als diese: http://libertarismus.net/2013/07/03/warum-selbsteigentum-und-das-prinzip-der-erstinbesitznahme-keine-willkurlichen-prinzipien-sind/#more-158

Wer sich jetzt schon zurücksehnt nach seiner kuscheligen linken Gesinnung sollte bedenken, dass in über 50% der globalen Gesellschaften gerade diese Prinzipien missachtet werden. Bei enger Betrachtung wird deutlich, dass eine Abwesenheit des Schutzes von Eigentum und Grundbesitz, kommerzielle Rechtsunsicherheit, die Verstaatlichung von Geschäftszweigen und behördlicher Willkür, direkt proportional sind zu der Anzahl der politisch Verfolgten und Inhaftierten, der Abwesenheit von persönlichen Rechten, wie Freizügigkeit, Recht auf eigene Kultur, Religion und die Pressefreiheit.

Es war in Kambodscha vor vielen Jahren. Als mein Mit-Autor „alphachamber“ mit einem Freund nach der Jagd in sein gewohntes Bistro eintrat, begegneten sie einer alten Bekanntschaft, einer gebildeten, frankophilen Dame des königlichen Haushalts, die wir Ratana nennen wollen. Nach der Begrüßung erkundigte sie sich nach deren Zeitvertreib.

Freund: “Wir kommen von der Enten-Jagd”

Ratana: “Oh, wie grausam. Sie töten die lieben Tiere!”

Freund: “So. Sie essen kein Geflügel?”

Ratana: “Doch, aber ich kaufe es mir lieber aus der Tiefkühltruhe des Supermarktes”

Freund: “Dann haben wir ja die gleichen Bedürfnisse. Nur, Sie sind eben die Hyäne – und wir die Löwen.”

 

Diese Episode reflektiert die altruistische Ethik unserer Tage: Wenn man von etwas profitiert, kann man die Tat selbst ruhig kritisieren. Der Begriff des Altruismus wurde von dem französischen Philosophen Auguste Comte (1798-1857) geprägt und stammt von den Worten “vivre pour autrui”  (für andere zu leben).

Spielen wir also des “Teufels Advokat”:

Hier ist die altruistische “Standard”-Einstellung des “guten Deutschen”, als Zitat aus einem kürzlichen Kommentar zu einer “Kapitalismus-post” in einem Susanne Kablitz Blog (leicht gekürzt) – “Jemand braucht existentielle Hilfe – sie wird durch die anderen geleistet. Umgehend. Bedingungslos. Aus Einsicht in die unverzichtbare Notwendigkeit sozialer Verantwortung aller gegen alle – aus reinem Eigennutz!  […] gewinnen letztlich die, die fair und pflichtbewusst miteinander umgehen und eigene Regelansprüche […] den anderen nicht nur zugestehen, sondern dafür aucheinstehen.”  (sic)

Übersetzung:

Ich nehme die Ungerechtigkeiten wahr, ich bin der Heilige, aber ihr seid die Gläubiger meiner Humanität und meiner Selbstgefälligkeit.Nach traditioneller protestantischer (inzwischen politisch korrekter) Ethik müssen  Handlungen zugunsten anderer und der Allgemeinheit eben “gut” sein und werden somit durch Eigendefinition automatisch zum moralischen Standard erhoben.

 

Dieser Logik zufolge, hat man keine moralische Bedeutung, solange man keinen Akt der Selbstlosigkeit begeht. Diese Auffassung allerdings würde auch gleichzeitig die Basis-Rechte des Menschen annullieren. Das Recht auf eigenes Leben, seiner Selbsterhaltung und Eigentum, der Überlebenswille und Produktivität des Individuums müssten also unmoralisch schlechthin sein. Der Altruismus lässt nur eine Definition des Lebens zu, in der es nur entweder Opfer oder Parasiten gibt, also kein Konzept der wohlwollenden Koexistenz, und deshalb auch keine Gerechtigkeit. Dies enthüllt die Enormität der moralischen Käuflichkeit, die damit verbunden ist – und das Versagen des Altruismus auf dem Felde der Ethik. Er ist die Kehrseite der gleichen Medaille auf der sich auch der nihilistische Egozentrismus befindet.

 

Die Nötigung der Karriere-Humanisten zerstört auch jegliches authentisches Wohlwollen und den “guten Willen” unter den Menschen. Schließlich ist eine staatliche Konfiszierung (Besteuerung) für soziale Zwecke keine persönliche Hilfe aus Nächstenliebe. Das erkannte schon der Begründer der Vergleichenden Politikwissenschaft bei seiner Studie über die Sozialhilfe in England.

1835 schrieb Alexis de Toqueville: 

„Das Gesetz (nach dem eine Gesellschaft für sozial Schwache besteuert wird), entzieht einem Wohlhabenden einen Teil seines Angesparten, ohne seine Zustimmung, der den Armen nur als gierigen Fremden sieht, den der Gesetzgeber dazu einlädt, seinen Reichtum zu teilen.“ Und weiter: „Der Arme, andererseits, empfindet keine Dankbarkeit für einen Nutzen der ihm sowieso niemand nehmen kann und der ihn aber auch nicht ganz befriedigt.“ 

Wir werden durch permanente Indoktrinierung dazu erzogen, uns einzureden, eine Gesellschaft sei dadurch „besser“, wenn ihr der „Neidschmerz“ entzogen würde. Dieses hässliche Gefühl der Unterlegenheit, das Gefühl, dass das Leben es mit einigen besser und mit anderen schlechter meint. Dieses Gefühl, „ungerecht“behandelt zu werden und wir somit mit einem eingebautem Opferstock durch das Leben gehen, um nicht ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, wenn wir auf der Sonnenseite stehen.

Natürlich freut sich der Staat über die die altruistische Gesinnung seiner Bürger. Sie erlaubt ihm die Besteuerung und die Eingriffe, welche ihm die Kontrolle über deren Vermögen und Eigentum ermöglichen. Das Wohl des einzelnen ist irrelevant, solange es die Masse beruhigt. Der Deutsche müsste sich von seinem geliebten, aber widersprüchlichen Begriff der “sozialen Gerechtigkeit” verabschieden. Es gibt diese so wenig wie den Weihnachtsmann oder den Schatz der Nibelungen.

Gerecht ist juristisch definierbar innerhalb einer rechtsstaatlichen Gesetzes-Struktur. “Sozial” ist ein moralisch geladenes Adjektiv von flexibler und ideologisch verhältnismäßiger Bedeutung und raubt damit dem Nomen seine Bestimmtheit. Recht kann sozial ungerecht sein und Unrecht sozial gerecht. “Soziale Gerechtigkeit” ist also nichts anderes als die persönliche Sicht des Meinungsträgers. Die “sozial Gerechten” machen ihre eigene Moral, bei der Besitz und Status die einzig akzeptablen Kriterien sind. Dies ist ein Weg in die Willkür.

Der Begriff der „sozialen Gerechtigkeit“ wird in allen Facetten missbraucht. Alles, was von „oberer“ Stelle als sozial erachtet wird, ist auch gleichzeitig gerecht. Da unter „sozial gerecht“ auch gleichzeitig „materiell gerecht“ verstanden wird, wurde in diesem jahrelangen Prozess das Heiligste aller Menschenrechte, nämlich die Gleichheit vor dem Gesetz, eben dieser sozialen Gerechtigkeit geopfert.

John Rawls beschreibt diese Entartung in seinem 1971 erschienenen Werk „A Theory of Justice“ (Eine Theorie der Gerechtigkeit). Gerhard Radnitzky hat den Kern 1982 wie folgt herausgearbeitet:“ … ein hypertrophierter Egalitarismus von fast kosmischer Dimension, eine Art „Konkursmasse der Theodizee“ und eine säkularisierte Version der christlichen Kompensationsidee. Was als Grundlage eines hochmoralischen Gesellschaftsmodells geeignet sein soll, ist in Wirklichkeit die philosophische Rechtfertigung der politischen Kleptokratie nach dem gewohnten sozialdemokratischen Muster.“

Barbara Branden wurde während eines Seminars einmal gefragt: “ Was geschieht mit den Armen in einer freien kapitalistischen Gesellschaft?”  Sie antwortete: “Wenn Sie ihnen helfen wollen, werden Sie nicht daran gehindert!”  

Dies ist ein Merkmal der Demokratie. Der Dialog reflektiert die Essenz der persönlichen Freiheit und ist ein perfektes Beispiel wie man sich weigert, die Prämisse eines anderen vorbehaltlos zu akzeptieren. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – dies ist aus allen Kanälen zu hören, vor allem wenn es um die „Ungerechtigkeiten“ in unserer Gesellschaft geht. Es ist ein Mantra, dessen Sinn nahezu gar nicht mehr hinterfragt wird. 

Allerdings –  Würde setzt Freiheit voraus und genau diese Freiheit ist es, die Ungleichheit hervorbringt. Die Würde fördert also nicht die Gleichheit sondern die Möglichkeit der höchst individuellen Entfaltung der eigenen Persönlichkeit. Diese Persönlichkeit hat Stärken und Schwächen, wobei auch dies in den jeweiligen Augen des Betrachters liegt. Die Freiheit eines Einzelnen ist das Recht, sich von anderen zu unterscheiden zu dürfen und somit dem eigenen Leben seine ganz persönliche Note zu geben. Eine gerechte Gesellschaft aber erkennt man an der unparteilichen Anwendung ihrer Gesetze und Respekt vor der Verfassung, nicht wie viel Almosen sie verteilt.

Meinen aufrichtigen Dank an „alphachamber“ für die wunderbare Zusammenarbeit – dient dieser Artikel der Abrundung unserer dreiteiligen Serie „Mythen der Demokratie“.

 

28 Gedanken zu „Von Löwen und Hyänen

  1. Sehr geehrte Frau Kablitz, ich bin begeistert von Ihrem Artikel.
    Beim überfliegern der Überschrift, dachte ich mir erst, schon wieder so eine sozialistische „Nebelmaschine“, aber wie ich dann „Österr. Schule der Nationalökonomie“ entdeckt habe, mußte ich Ihren Artikel sofort lesen. Sehr schön erfaßt. Ich finde, wer einmal das libertäre Gedankengut und die Öster. Schule in sich aufgenommen hat, dem kann man nicht mehr mit irgenwelchen „Gesellschaftsklempnereien“ und dubioser „sozialer“ Gerechtigkeit kommen. Leider sind bei den Libertären noch viel zu wenig Frauen, aber mit Ihnen sehe ich einen Lichblick.
    Weiter so!

  2. Meinen aufrichtigen Dank an die beiden Autoren; schon die ersten drei Teile waren großartig! Machen Sie weiter so!

  3. Ich denke nicht, dass Sie mit solch einer Meinung vor Gott bestehen werden und ich bin sicher Sie haben noch immer nicht begriffen , was es bedeutet ein Mensch zu sein. Leider werden Sie mit so viel substanzvoller Desinformation und Demagogie sicher viele Menschen an der Nase herum füren, da Sie an die primitivsten Instinkte appellieren, wenn auch versteckt, meins, deins Besitz und Neid, wenn auch in versteckter Form! Möge Gott Ihnen den Weg weisen und Sie mit Erkentnis beschenken und Ihnen helfen sich selbst zu erkennen!

  4. Wenn man wissen will, welches Maß das „authentische Wohlwollen“ und die „freiwillige“ Hilfe gegenüber den sozial Schwachen hat, braucht man keine Dystopien zu schildern. Es reicht ein Blick in die dunkelsten Kapitel der Industrialisierung, und man findet Massenarbeitslosigkeit, Kinderarbeit, urbane Verelendung.
    Rein formal besehen sind solidarische Steuern also tatsächlich eine „staatliche Konfiszierung“. Für die Konstruktion dieser Sicht muss man seinen Blick aber schon extrem einschränken und die Frage nach dem Guten und Erstrebenswerten sowie die bitteren Erfahrungen aus der Geschichte schlicht ignorieren. Dann – wenn man das Sein des Menschen einzig und allein auf die Durchsetzung eigener Interessen reduziert und Altruismus als Hirngespinst abtut – kann man es sich erlauben, in sozialer Verantwortung eine Bevormundung zu sehen, die einem minimalistischen Begriff von Freiheit hinderlich ist.
    Dabei möchte ich daran erinnern, dass Freiheit und soziale Gerechtigkeit oft Hand in Hand entwickelt worden sind.
    Die stupide Beschränkung des Freiheitsbegriffes auf „Freiheit ist meine persönliche Freiheit, mich gegen Solidarität zu entscheiden – ist ein neuzeitliches Novum.

  5. Pingback: Sozialhilfe ohne Staat | Neue Reconquista

  6. „“ Was geschieht mit den Armen in einer freien kapitalistischen Gesellschaft?” Sie antwortete: “Wenn Sie ihnen helfen wollen, werden Sie nicht daran gehindert!”“ – BAM schlagindifresse 🙂 Super diese Antwort.

    Danke für den erhellenden Text. Ich werde noch Fan.

    Templarii

  7. @feybraybrook: Sie hören sich selber gerne reden, oder? Einen solch aussergewöhnlichen Beitrag derart unwissend herabzuwürdigen, ist schon eine Leistung!
    „Die stupide Beschränkung des Freiheitsbegriffes auf “Freiheit ist meine persönliche Freiheit, mich gegen Solidarität zu entscheiden – ist ein neuzeitliches Novum“… was soll der Quatsch? Wer erntscheidet sich hier gegen Solidarität? Wo lesen Sie das raus?

  8. Torsten: Na, wie gut, dass Sie so allwissend sind. Hätten wir solche Leute wie Sie nicht, wir würden ja glatt in der Hölle schmoren. manman, „Gott“ für so einen Schmarrn zu benutzen.

  9. @feydbraybrook:
    Ihr rethorischer Eiertanz soll also beweisen, dass „gut“ besser ist als „nicht gut“? Das KANN doch nicht so schwer sein!
    Wir lechzen garantiert nicht nach Zustimmung – hoffen aber auf rationale Argumente.

  10. @Torsten:
    Es tut mir leid, ich kann Ihren Kommentar nicht richtig lesen. Ich brauche erst einmal meine Polaroids – Ihr Heiligenschein blendet.

  11. @dgelenen:
    Beispiele:
    „Der Kapitalismus ist also keine Staatsform, sondern die rationale Umsetzung von menschlichen Basis-Rechten“
    oder:
    „Die Nötigung der Karriere-Humanisten zerstört auch jegliches authentisches Wohlwollen und den “guten Willen” unter den Menschen.“
    oder:
    „Was als Grundlage eines hochmoralischen Gesellschaftsmodells geeignet sein soll, ist in Wirklichkeit die philosophische Rechtfertigung der politischen Kleptokratie nach dem gewohnten sozialdemokratischen Muster.“

    Lesen Sie hier „Solidarität vor Freiheit“ oder „Freiheit vor Solidarität“?

  12. Sie beschreiben es ja unter Punkt 4 selbst, Frau Kablitz:

    „Gier, Neid und Machthunger sind System-unabhängige menschliche Eigenschaften.“

    Und deshalb wird es weder mit dem Kapitalismus noch mit dem Kommunismus klappen, mögen sie zunächst auch in noch so „rein“ geplant sein. Beide haben den „Neuen Menschen“ zur Bedingung, dem die von Ihnen beschriebenen Eigenschaften zuvor ausgetrieben wurden. Davor graut mir.

    Bill Clinton hätte es in 4 Worten auf den Punkt gebracht: „It’s the greed, stupid!“

    Herzliche Grüße

    Osswald

  13. Lieber Feydbraybrook,

    nun, die „dunkelsten“ Kapitel der Industrialisierung sind vor allem den Menschenmassen geschuldet, die vom Land in die Städte strömten. Wenn es diesen Menschen in den ländlichen Gebieten so überaus gut ging, warum haben sie das dann getan? Kinderarbeit – so sehr wir sie heute zu Recht verachten – war damals in weiten Teilen leider noch nicht zu vermeiden, weil man sonst am Hunger zugrunde gegangen wäre. Mit unserem heutigen, weit verbreiteten Wohlstand die damaligen Zeiten beurteilen zu wollen, zeugt von einer Moralarroganz, die nur Hartgesottene glauben lässt, sie komme von einer besonders mitfühlenden Seele.
    Bittere Erfahrungen hat es immer gegeben und wird es immer geben. Dies gehört nun einmal zum Leben dazu.
    Dass persönliche Freiheit Ihrer Meinung nach dafür steht, sich gegen die „Solidarität“ zu stellen, ist aus der Luft gegriffen und entbehrt jeglicher Grundlage. „Die stupide Beschränkung des Freiheitsbegriffes auf “Freiheit ist meine persönliche Freiheit, mich gegen Solidarität zu entscheiden – ist ein neuzeitliches Novum.“ – welche furchtbar schlechten Erfahrungen haben Sie erleiden müssen, dass Sie so negativ über Ihre Mitmenschen urteilen? Es tut mir sehr leid, wenn dies ihr heutiges Weltbild ist – ich wünsche Ihnen, dass Sie in der Zukunft noch bessere Erfahrungen machen werden – vor allem dann, wenn sie freiwillig geschehen und diese der aufrichtigen Sympathie und Liebenswürdigkeit zu verdanken sind und nicht einem moralischen Zwangsbild, dass wir uns auferlegt haben.

  14. Ja, es ist wahr: der Sog, den die Stadt auf die Menschenmassen vom Land ausgeübt hat dazu geführt, dass Kapitalisten diese ausgenutzt haben. Aber die klinische Sterilität, in der sie das und die Kinderarbeit beschreiben, lässt mich schaudern. Soll das heißen, dass Menschen nicht in der Lage sind / sein dürfen, dafür Regulative zu finden? Selbst der konservative Bismarck hat das getan.
    Das mit den bitteren Erfahrungen: ja, die gehören dazu. Und es gehört ebenso zum Leben, dagegen etwas zu tun. Es gehört zum Menschen, Menschlichkeit (sic!) zu entwickeln und sich Fragen über das Gute, das Erstrebenswerte zu stellen. Das ist keine Phantasterei – es gehört zur menschlichen Kultur seit Anbeginn der Geschichte, aber manche haben es geschafft, sich der Kultur bis ins heutige Zeitalter zu verschliessen.
    Was die schlechten Erfahrungen angeht: ich rede nicht von meinen eigenen, Sie doch hoffentlich auch nicht. Dazu verweise ich nochmals auf die Industrialisierung, in der wir gesehen haben, wie solidarisch Unternehmer sind, wenn man ihnen die Freiheit lässt. Aber bitte, wenns aktueller sein darf: die durch die Lehman Brothers ausgelöste Finanzkrise zeigt doch, das der freie Markt an sich nicht geeignet ist, die Angelegenheiten einer Gesellschaft zu bearbeiten, geschweige denn, soziale Probleme zu lösen.
    Liberale, Piraten – alle gehen sie von einem Patentrezept aus, mittels dessen das Staatswesen quasi von selbst an sich selbst gesundet – eine unglaublich kindliche und naive Vorstellung.
    Der entscheidendste Faktor ist der Mensch selbst und wenn der sich selbst beschränkt, indem er sich aufgrund einer Freiheits-Doktrin selbst verbietet, zu intervenieren, ist er entweder unwissend oder egoistisch.

  15. Nun denn, Feydbraybrook, mag es also klinische Sterilität sein, die Sie in meinen Worten ablesen können. Sie haben viele Talente! Nun, dass nun auch noch Bismarck auf den Plan kommt, war fast zu erwarten. Leider zeigt es auch, dass Sie weder seine Biographie noch die Briefe an seine Familie je gelesen haben. Das ist nicht schlimm, es zeugt nur von einer oberflächlichen Betrachtungsweise, die Ihnen aus Ihrer Sicht die Rechtfertigung verleiht, mit Halbwahrheiten zu arbeiten. Dass die schrecklichen Kapitalisten denn dann auch nur dazu auf der Welt waren, um die Landbevölkerung auszunehmeh, vervollständigt dieses Bild. Alles Schulbuchwissen, dass Sie anbringen, keinerlei Tiefenkenntnisse. Dass Lehman Brothers die Finanzkrise ausgelöst haben soll, ist dann wirklich an Mainstream-Wiedergabe kaum noch zu toppen. Bei Ihnen wird ja in wenigen Sätzen alles wiedergegeben, was so durch die Gegend wabert und als Wahrheit durchgeht, wenn man sich nicht näher damit beschäftigt. Schade, eine echte, auf Fakten beruhende und sachliche Diskussion wäre mir sehr willkommen gewesen!

  16. an alle moralapostel, an alle gutmenschen,die in den kommentaren zu wort kommen; wie herrlich einfach ist es, dass ihr euch nicht an euren taten messen lassen müsst, sondern dass es bei lippenbekenntnissen bleiben darf. Die Realität zeigt leider, dass gerade die, die am lautesten schreien und sich am menschlichsten zeigen, am allerwenigsten zu bieten haben. Ob nun gott herhalten muss, der wahrscheinlich anderes zu tun hat als frau kablitz den weg in den himmel zu verwehren (da oben ist eh nix los- die hölle ist viel lustiger, vor allem ist sie ehrlicher) oder die „kinderarbeit“, die nun gott sei dank in unseren breitengraden abgeschafft wurde; ständig meinen diese weltverbesserer, dass sie es besser können als der „kapitalistischste dreckshaufen“. Ja, genau, immer drauf auf die, die den karren für euch aus dem dreck ziehen; stellt sichdoch oft heraus, dass gerade die „guten und gerechten“ bei anderen schmarotzen, weil sie nichts auf die reihe kriegen, Da sie aber das niemals zugeben würden, fordern sie die gießkanne für alle, vor allem für sich selbt. Da das aber wenig sozial klingt, benutzen sie die worthülse „soziale gerechtigkeit“ zur vertuschung des eigenen versagens. Armselig, auf ganzer linie!

  17. Ich weiß nicht wo ich die Geschichte zuerst gelesen habe. Es hat irgendetwas mit Crocket oder so zu tun. Ich habe es für mich so zusammengefasst:
    „It’s not yours to give because it is not yours you give.“

    Wenn man sich zumindest darauf verständigen könnte, dies als Grundlage für Forderungen zu sehen, wäre Allen mehr gedient als durch jede „gutgemeinte“ Enteignung,

    Und genau das hat Frau Kabliz und aplhachamber hier sehr gut ausgeführt. Und ja die Argumente nur der gute Staat kann den bösen Menschen „bändigen“ ist eine Meisterleistung im Selbstbetrug. Wenn also jemand in Staatsdiensten ist wird er auf einmal zu einem besseren Menschen – der sich aber leider ohne Diebstahl nicht einmal selber ernähren könnte. Das muß wohl einfach ein Kollateralschaden des „guten Menschen“ sein….

    pappelerpall bringt diese einstellung m.E. ebenfalls sehr gut auf den Punkt

  18. @Torsten
    Welchen Gott meinen Sie? Allah? Jehova? Zeus? Thor? Oder meinen Sie gar den christlichen Gott, über dessen ethisch „hochwertige“ Persönlichkeit man in der Bibel ausführlich unterrichtet wird (Steinigungen und voh Ihm angeorneter Genozid bzw. Ersäufen fast der gesamten Tier- und Menschenwelt inklusive), und auf dessen Namen wahrscheinlich die meisten und erbärmlichsten Greueltaten der Menschheitsgeschichte zurückgehen?
    Wie auch immer: schade, dass man nun auch in hochwertigen Wirtschafts/Polit-Blogs mit diesem abartigen Fabelwesen und dessen Anhängern konfrontiert wird…

  19. „…die durch die Lehman Brothers ausgelöste Finanzkrise“
    Wenn ich solche oder ähnliche Sätze an Stammtischen höre, muss ich meist schmunzeln und denke mir „na ja, woher sollen jene, deren Wissen sich primär aus der links-dominierten Journaille speist, es denn auch besser wissen.“
    Wenn ich solche Sätze allerdings von Menschen mit einem (offensichtlich) guten bis überdurchschnittlichen Bildungsniveau höre, ist mir eher zum Weinen zumute; zeigt sich dadurch doch deutlich, dass die höheren Ausbildungseinrichtungen immer mehr der links-linken Mainstream-Gehirnwäsche erliegen und ihren Absolventen kein eigenständiges Denken und kein kritisches Hinterfragen beibringen, sondern hauptsächlich linke Probaganda indoktrinieren und auf das Nachbeten der entsprechenden Floskeln Wert legen.

  20. „Und ja die Argumente nur der gute Staat kann den bösen Menschen “bändigen” ist eine Meisterleistung im Selbstbetrug.“

    Aber auch wirklich nur dann, wenn man das glaubt, FDominicus, und welcher Eingeweihte tut das schon?

    Es gibt keine Teilmenge dieser Gesellschaft ohne einen erklecklichen/unerträglich hohen Prozentsatz an Menschen, bei denen die von Frau Kablitz so treffend beschriebenen (negativen) Eigenschaften dominieren. Schauen Sie – wo andere gerade von Gott reden – nur einmal auf die Pfaffen…smile…

    Auf der anderen Seite gibt es auch gute Eigenschaften zuhauf und sind auch Banker, genau wie Politiker nicht durch die Bank korrupt.

    Herzliche Grüße

    Osswald

  21. @Alex schreibt:

    *0815 Christenbashing*

    Gähn.. Lernen Sie mal etwas von ihrer eigenen Kultur, Philosophie und Theologie. Und fangen Sie nicht 1933 an. Es gibt da 1000 jahre Geschichte vorher..

    Googeln hilft.

    Templarii

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