Die Zauberkiste der Menschenmacher (1)

Über Lügen, Ausbeutung und ein Geschenk von unschätzbarem Wert…

Wir werden angelogen – jeden Tag  bis zu 200-mal – nahezu immer, wenn wir mit anderen Menschen kommunizieren.  So zumindest wird es in diversen Fachvorträgen behauptet. „Alles Quatsch – so viel redet ja noch nicht einmal ein Mensch in den Stunden, die er am Tag wach und klar bei Verstand ist!“ Nun – wird der ein oder andere männliche Zeitgenosse jetzt erwidern – dass mit dem vielen Reden bei der eigenen Frau oder Freundin könnte nun durchaus passen. Wie dem auch sei, die Aussage zur Häufigkeit der praktizierten Lüge läge bei  „200-mal täglich“, ist höchstwahrscheinlich tatsächlich zu hoch gegriffen – zumindest für einen normalen Menschen.

Die meisten Menschen lügen nicht aus Bösartigkeit oder um einem anderem zu schaden. Oftmals sind es Schummeleien, die auch aus Rücksicht auf  den Lügen-Betroffenen ausgesprochen werden oder es sind Übertreibungen, die der eigenen zur Schau gestellten Großartigkeit dienen. Sehr häufig flunkern wir wohl, um uns lästiges Nachfragen zu ersparen und Diskussionen aus dem Weg zu gehen – da siegt dann einfach die Bequemlichkeit, unser Drang nach einem schnellen Ende von lästigen und unangenehmen Nachfragen setzt sich eindeutig durch. Gelegentlich binden wir unserem Gegenüber auch einen Bären auf, weil man ihn aus den unterschiedlichsten Gründen beschützen möchte;  die Angst, ihn zu verletzen rechtfertigt dann in unseren Augen die „Notlüge“.

Manchmal sind wir auch einfach nur schusselig und vergessen ein paar Details oder wir lügen zwar nicht, sagen aber auch nicht die Wahrheit.  Hin und wieder verbiegen  wir die Wahrheit, um uns einen Vorteil zu verschaffen und den anderen schlechter dastehen zu lassen. Die Lüge wird auch gern zur Hand genommen, um einen Fehler zu vertuschen. Das sind Momente, wo man sich wünscht, dass der derjenige vom Schicksal für seine Untat bestraft wird. Nix schlimmes, nur eine winzig kleine Vergeltung – damit der Übeltäter Besserung gelobt.

Wirklich böse und verachtenswert wird die Lüge, wenn sie in der absolut sicheren Gewissheit, ausschließlich sich selbst und den sonst in voller Absicht profitierenden Menschen(gruppen) einen dermaßen unverhältnismäßig großen Vorteil zu verschaffen während die nicht „Auserwählten“ auf die „billigen Plätze“ verwiesen werden, ausgesprochen und praktiziert wird. Richtig hinterlistig wird sie, wenn aus der Lüge, die zwangsläufig nur denjenigen nutzt, die sie aussprechen, eine neue Wahrheit wird. Wenn die auf den „billigen Plätzen“ irgendwann an die neue Wahrheit glauben und sie in ihre Gedankenwelt aufnehmen, sie tatsächlich leben und somit ihren eigenen Untergang herbeiführen.

Immer wieder erstaunt es mich, wie selbstverständlich es inzwischen geworden ist, einen Staat, der zu mehr als 60 % sozialistische Züge angenommen hat, noch als eine  Marktwirtschaft oder – und jetzt werden wieder einige toben – als Kapitalismus zu bezeichnen und dann in aller Regel zu verteufeln.

Es wird geschimpft und gewütet: „ Alles hier wird immer unsozialer, die Armut steigt ständig, die Reallöhne sinken, die Mittelschicht verkommt, das wird noch ein ganz böses Ende nehmen!“ Und die Schimpfer und Wüterer haben Recht! Es wird in der Tat immer schlimmer werden, nur eben aus ganz anderen Gründen als die, die sie dafür verantwortlich machen.

Das Deutschland in dem wir leben,ist etatistischer als das unsägliche NS-Regime 1937. Dieser grausame Abschnitt unserer Vergangenheit sollte uns eigentlich Warnung genug sein. Warum läuft es uns nicht eiskalt den Rücken herunter, wenn wir von den „Nationalsozialisten“ sprechen, die sich durch ein staatlich gelenktes Wirtschaftssystem mit hohen Subventionen, Preisstopps, gleichgeschalteten Kartellen und  der gewaltsamen Enteignung von Eigentum auszeichneten?

Da wird der Durchschnitts-Unternehmer so lange als Ausbeuter bezeichnet, bis er sich ermattet ergibt und wir merken gar nicht, wie wir unser eigenes Grab schaufeln. Heute ist im Sonderteil des Handelsblattes zu lesen, dass nur noch jeder Dritte den Weg in die Selbstständigkeit wagt; allen anderen ist die Lust gründlich vergangen. So wird berichtet, dass selbst im kommunistischen China mehr als die Hälfte diesen Schritt gehen und ein Unternehmen gründen.

Es existiert nicht ein einziges Monopol oder einen einziger Megakonzern, welcher nicht erst durch staatliche Regulierungen oder sonstiges Eingreifen des Staates in den Markt entstehen konnte. Wir sorgen mit abstrusen Ideen wie zum Beispiel den inzwischen allseits beliebten Mindestlöhnen dafür, dass auch noch der letzte Klein- oder Mittelstandsunternehmer aufgeben muss, weil er den Mindestlohn eben nicht bezahlen kann, wogegen sich die Großkonzerne mit Begeisterung auf die Schenkel klopfen. Wieder ein Konkurrent weniger, super! Und wenn es hier zu bunt wird, gehen die Multi-Millionen-Euro-Unternehmen eben woanders hin. Zurück bleiben die, denen das Staatswohl mit allerlei versprochenen Zuwendungen gewunken hat. Zwar leider nur bis zur nächsten Wahl, aber die Illusion war eben so verlockend.

In unserer berechtigten Wut auf Großkonzerne und Mega-Banken übersehen wir völlig, dass wir nur benutzt werden. Die „da oben“ lachen sich über uns schlapp. Wir veranstalten hier ein Riesenspektakel und spielen den Profiteuren unserer Naivität doch nur in die Hände.

Warum wohl werden sozialistische Wirtschaftsregulierungen von den Megakonzernen so vehement unterstützt? Und wieso gibt es so viele extrem einflussreiche Milliardäre wie George Soros, die überall auf der Welt Regulierungen des Marktes unterstützen, wenn sie sich doch damit angeblich nur selber schaden würden? Ist ein Mann wie George Soros vom Saulus zum Paulus mutiert? Wohl kaum, regulierte Märkte geben ihm allerdings einen sauberen Rechtsrahmen. Nahezu keine Haftung, nur ein Haufen Gesetze, die in ihrer Unübersichtlichkeit jedem einigermaßen gewieften Systemprofiteur wunderbar entgegen kommen.

In einem anderen Blog las ich kürzlich: „Sozialismus scheitert nicht am System, sondern an den Menschen, die es nicht ertragen können, dass es anderen auch gut geht!“  Nachdem ich mich von diesem Kommentar einigermaßen erholt hatte, stellte ich mir die Frage, ob dies nicht möglicherweise sogar tatsächlich ein Grund für das Scheitern dieser so ehrenwerten Form des Lebens untereinander sein könnte (dieses Wetter macht mich ganz verrückt!). Und dann kam mir in den Sinn, dass man diese Aussage auch ganz prima umdrehen könnte: „ Eine Gesellschaft scheitert nicht am System, sondern an den Menschen, die es nicht ertragen können, dass es anderen anscheinend besser geht als ihnen selbst!“

Warum es manchen Menschen besser geht als anderen, kann unterschiedlichste Gründe haben – ein größeres Talent, ein Quäntchen mehr Glück, ein wenig mehr Fleiß, mehr Energie, mehr Durchhaltevermögen,  die Akzeptanz von Fehlschlägen, die Fähigkeit, einmal mehr aufzustehen als hinzufallen. Auch kann es daran liegen, dass derjenige ein schlechter Mensch ist, ein Mensch, der betrügt und stiehlt, jemand, der sich auf Kosten anderer bereichert.

Ja, das ist möglich. Immer und überall – schließlich sind wir Menschen. Wir sind Lebewesen, die von Emotionen, Erfahrungen und Ängsten getragen werden. Warum sollen wir diese zutiefst menschlichen Züge verleugnen, nur um vorübergehenden und sich verschiebenden Ungleichheiten Tribut zu zollen? Zeigen uns nicht Vergangenheit und Gegenwart, dass gerade Menschen, die über die gießkannenartige Zuteilung von Gütern nach Gutdünken verfügen dürfen und können, ihre Machtposition in besonders verachtenswerter Weise missbrauchen?

Wir leben anscheinend inzwischen in einer Zeit, wo der Einzelne überhaupt nichts mehr zählt, es existiert nur noch das Kollektiv. Das System der Sozialversicherungen ist ein wunderbares Beispiel. Permanent unterfinanziert, zum Dauersiechtum lebenslang an den Tropf gehängt, dessen Flüssigkeit aus Steuergeldern besteht. Ein Schauermärchen.

Millionen von Rentnern werden in den kommenden Jahren Rentenbescheide erhalten, die so bitter sind, dass man die letzten Kröten nur noch in billigen Fusel wird umtauschen wollen und können. Es wurde so viel umverteilt und „Auf-nimmer-Wiedersehen“  auf – und wegverteilt, dass nun kaum noch etwas da ist. Es ist eine wahre Meisterleistung der Politik, den Menschen immer noch in weiten Teilen weis machen zu können, dass irgendetwas ansatzweise lohnendes aus den Arbeitgeber –und Arbeitnehmerbeiträgen heraus kommt. Beiträge, die von Einzelnen erarbeitet und erwirtschaftet werden mussten und die von den „Sozialismusfreunden“ fairerweise an alle verteilt werden sollen. Wir haben dann zwar am Ende alle nichts mehr – aber das ist wenigstens sozial gerecht!

Die Lüge, dass die „Reichen“ und die „Superreichen“ endlich zum „Wohl der Allgemeinheit“ beitragen sollen, ist idiotisch und dreist. Keiner will das von denen im Elfenbeinturm, gehören sie doch selbst dazu  – sie wollen nur an den erarbeiteten Wohlstand von Millionen Mittelständlern. Und indem wir nach immer mehr Staat und Regulierung schreien, unterstützen wir sie bei der Verwirklichung ihres Plans auch noch nach besten Kräften.

Der zweite Teil „ Ausbeutung“ und der dritte Teil „Ein Geschenk von unschätzbarem Wert“ folgen in den nächsten Tagen.

5 Gedanken zu „Die Zauberkiste der Menschenmacher (1)

  1. Es ist überaus wohltuend, Tatsachen in dieser Form präsentiert zu bekommen! Danke sehr und weiter so!

  2. Das stimmt. Der Ruf nach dem Staat stärkt die ‚Rechten‘, wenn ich diese alte Klassifizierung darf bemühen.

    Man muss damit leben, dass die meisten Menschen gar nicht interessiert sind reich zu werden. Das ist Arbeit, ich sag es ihnen und ich bin es noch nicht mal. Von ‚der‘ Arbeit ist schon gar keiner Reich geworden.

    Schauen sie. Beim Umverteilen geht es um Finanzvermögen. Die meisten haben sowieso Sachwerte. Was man dann dazuzählt ist wieder eine andere Diskussion – Aktien sind für mich schon strittig mittlerweile. Das sind alles sinnlose Diskussionen. Wenn sie systematisch begrenzen, dass es keine Milliardäre geben darf, dann haben sie einen wesentlichen Schritt getan. Millionäre wirken noch nicht so dramatisch auf die Verteilung. Egal ob großer Konzern oder Individuum. Anlagenintensive Unternehmen mal außer vor gelassen. Stahl kann man nicht mehr produzieren wie Hochland vom Mesopotamien mit dem Hochofen im Garten.

    Durch die Reduktion von ehem Geld auf die Zahlungfunktion haben ’sich‘ systemisch die Einkommen von den Vermögen abgetrennt. Die muss man separat betrachten. Deswegen erwischen sie Vermögensvermehrung allein beim Zufluss. Wenn unser Schein’Geld‘ mal in Werte transformiert ist, dann haben sie wenig Chance mit sinnvollen Argumenten ein Rückfluss die Einkommensumverteilung zu argumentieren. So einfach geht es nicht. Vermögen und Bewertung hängen zusammen. Auch wenn sie ein Schloss bewerten in ‚Geld‘, es treibt die Umverteilung in keinster weise. Wie der Bruno Kreisky sinnesgleich sagte, ‚Vermögen zu haben ist kein Verbrechen, den Weg dorthin muss man sich ansehen.‘ Bei uns in Österreich wird Vermögensbildung an sich mal verhindert – Millionär werden sie, aber ohne Staat kommen sie nicht viel weiter. Sie verlieren mehr durch Inflation als sie verdienen. Wenn sie was Großes machen wollen, dann hilft der Staat mit organisatorischen Maßnahmen.

    Die U.S. Verfassung hat es anglich im Text, dass keine Steuern auf das Arbeitseinkommen natürliche Personen darf erhoben werden, obwohl das strittig ist. Das ist einer der Knackpunkte. Sie bekommen in einer Industriegesellschaft immer mehr Probleme mit der Verteuerung der Menschlichen Arbeit durch die ‚Umverteilung‘. Selbige eine sehr interessante im System eingebaute Lüge, die schwer zu enttarnen ist. Ähnlich dem Wohlfahrtstaat bleiben am Ende immer wenige über die den Karren ziehen.

  3. Wieder ein superbes Essay!
    Bin schon gespannt auf die ersten Kritiken die Ihnen, theologisch und altruistisch, Ihre Hart-herzigkeit und Blindheit gegenueber dem menschlichen Elend „beweisen“.

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