Lieber Herr Baader, lieber Herr Dr. House …

… leider werde ich Sie beide niemals persönlich kennenlernen.  Sie, verehrter Herr Roland Baader nicht, weil Sie leider viel zu früh verstorben sind und Sie, lieber Herr Dr. Gregory House deshalb nicht, weil Sie in der Realität nicht existieren.

Ihnen beiden, ob nun real oder nur fiktiv, haftet eine ganz besondere Eigenschaft an, die sich zu meinem Leidwesen nur noch in verschlossenen Wohnzimmern oder in vertrautester Umgebung zeigen darf, nämlich der Mut, die Wahrheit klar und deutlich auszusprechen und dies vor allem in der absoluten Gewissheit, dass Sie sich mit dieser Vorgehensweise recht wenig Freunde machen.

Die, die mich kennen wissen, dass Sie – Herr Baader – es waren, der mich aus dem „Tal der Tränen“ geholt hat und das zu einer Zeit als ich glaubte im falschen Leben gelandet zu sein. Einem Leben voll von den Utopien einer Wohlstandsgesellschaft, die sich einbildet, sie könnte seelenruhig die Errungenschaften der Vergangenheit verpulvern und sich mit auf Schulden basierten „Falschgeld“ in den Reichtum konsumieren. In einer Welt, wo Begriffe und Beschreibungen verdreht und verbogen werden, wo es nur nach darum geht, politisch korrekt zu sein und ganz einfache ökonomische Gesetze komplett auf den Kopf gestellt werden.

Wo es unfassbar viele Menschen gibt, die es angenehmer finden, vom Wohlwollen des Staates abhängig zu sein als sich auf sich selbst zu verlassen. In einer Welt, wo es von ökonomischen Ignoranten wimmelt, die nicht begreifen (wollen), dass die mit Recht beklagten Schweinereien der Banken nur deshalb möglich sind, weil von staatlicher Seite Zentralbanken geschaffen wurden, die als „Retter in der Not“ inzwischen jedes Fehlverhalten belohnen und dass wir deshalb keine Krise des Kapitalismus sondern eine Krise des Interventionismus, eine des Etatismus haben.

Konfuzius hat bereits vor gut zweieinhalb Tausend Jahren gesagt: „ Wenn die Wörter ihre Bedeutung verlieren, verlieren die Völker ihre Freiheit.“ Und auch Nietzsche war sich mit George Orwell einig: „Der wirkliche Machthaber der Zukunft wird der sein, der neue Sprachregeln durchsetzen kann.“

Ich habe mir diese Muppet-Show, die als „Kanzlerduell“ getarnt war, am vorletzten Sonntagabend nicht angesehen, sondern habe es vorgezogen in dem Buch „Die Illusionen in der öffentlichen Finanzwirtschaft“ von Amilcare Puviani zu lesen, der  diese überaus erheiternden Zeilen 1903 in der Originalfassung „Teoria dell´lllusione Finanziare“ zu Papier gebracht hat. Eine zeitliche Investition, die sich im Gegensatz zum Hocken vor dem Staatsfernsehen wohl wirklich gelohnt hat. Signore Puviani hat sich bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Bezug auf die Interesses des Staatswesens keinen Illusionen hingegeben und hat wie ebenso kluge Köpfe der Österreichischen Schule – und hier sei besonders Ludwig von Mises zu erwähnen – erfrischend konkret die uns als ehrenwert präsentierten „Wohltaten“ als das entlarvt, was sie sind – heiße Luft!

Und dabei kam mir der Gedanke, wie unsere Welt wohl aussehen würde, wenn Sie, Dr. House und Sie, Herr Baader politischen Einfluss hätten. Zum Beispiel, wenn es um den allseits gescholtenen „Kapitalismus“ geht, der nach Meinung vieler Zeitgenossen unbedingt nun endlich auf dem Müllhaufen der Menschheitsgeschichte zu landen habe. DAS wäre ein Fest!

Hier möchte ich Sie, Herr Baader, zitieren, denn noch treffgenauer kann man es nicht formulieren:

“Stellen wir einmal Deutschland vor diesen Hintergrund und betrachten es „mit kapitalistischen Augen“. Wir erkennen ein Land mit einem staatlichen (sprich: sozialistischen) Rentensystem, mit einem staatlichen Gesundheitssystem, einem staatlichen Bildungswesen, mit staatlich und gewerkschaftlich gefesselten Arbeitsmärkten, einem konfiskatorischen Steuersystem, einer Staatsquote am Sozialprodukt von 50 %, mit einem erheblich regulierten Agrarsektor und einer in ein kompliziertes Geflecht zwischen Markt und Staat eingebundenen Energiewirtschaft, mit mindestens Hunderttausend Betrieben in „kommunalem Eigentum“ (= Camouflage-Wort für Verstaatlichung) und einem staatlichen Papiergeldmonopol, ja sogar mit einem Staatsfernsehen samt Zwangsgebühren.

Wir erkennen ein Land, in dem fast 40 % der Bevölkerung ganz oder überwiegend von Staatsleistungen lebt und in welchem das gesamte Leben der Bürger von staatlichen Regelungen überwuchert ist. Wer diesen 80%-Sozialismus als Kapitalismus bezeichnet, muß mit ideologischer Blindheit geschlagen sein. Und wer gar von Turbo- oder Raubtierkapitalismus redet, den muß der Verstand ganz verlassen haben (oder die panische  Angst vor dem Machtverlust zu verbalen Veitstänzen getrieben haben).

Wir haben es also bei dem, was hierzulande (und auch in anderen Ländern) als Kapitalismus bezeichnet wird, in Wirklichkeit mit einem staatsverkrüppelten Rumpfkapitalismus und mit einem vom Sozialismus durchseuchten Schein-Kapitalismus zu tun. Walter Eucken, der Vater des (echten) Neoliberalismus, hat schon in den 50er Jahren von einem „staatlich versumpftem Kapitalismus“ gesprochen und die permanente Gleichsetzung dieser Karikatur mit  „dem Kapitalismus“ als die wirksamste Waffe der Antikapitalisten ausgemacht.

Man sollte das deutsche Modell also realistischer als Sozialismus mit kapitalistischem Hilfsmotor bezeichnen. Erstaunlicherweise vollbringt dieser Hilfsmotor seit mindestens sechzig Jahren das Kunststück, den sozialistischen Schrottkarren voranzutreiben. Erst jetzt scheint ihm vom Übergewicht des maroden Gefährts allmählich die Puste auszugehen.“ (…) „Das Wachstum des Wohlfahrtsstaates wird mit der Anhäufung öffentlicher Schulden bezahlt. Diese Verschuldung hat Ausmaße angenommen, wie sie ohne fiat-money-Inflation undenkbar wäre.“ (Roland Baader, Das Kapital am Pranger, 2005)

Und was würden Sie, Dr. House, wohl zu Dingen sagen, die Ihnen als „geistiger Dünnschiss“  vor Ihr loses Mundwerk gelegt würde? Es wäre wohl ganz sicher von Ihnen zu erwarten, dass Sie Ihrer Meinung in Ihrer ganzen zynischen Ausprägung offen und unverhohlen Ausdruck verleihen würden. Keine Rücksicht auf politische Korrektheit, keine Rücksicht auf zu erwartende Empörungswellen, erst recht keine Angst vor negativen Konsequenzen sondern absolut frei und unabhängig.

Nie haben Sie Wert darauf gelegt, freundlich zu sein, nie haben Sie Wert darauf gelegt, dass auch nur irgendjemand Sie hofiert. Das einzige, worauf Sie Wert gelegt haben war, ein brillanter Diagnostiker und damit eine wirkliche, echte Hilfe zu sein.

Kein unnützes, überflüssiges Geschwafel, kein „Herumgeschleime“  in der Hoffnung, ein besser bezahltes Pöstchen in der Hierarchie zu ergattern, kein sinnloses (weil nur gut klingendes) Geplapper, keine Kompromisse, wenn es darum ging, dass Sie beiden von Ihrer Position (nach gründlicher Überlegung und Recherche) überzeugt waren.  Was für eine Wohltat, welch ein Vergnügen!

Nun mag es in der Tat utopisch anmuten, mit der Wahrheit die Menschen „gewinnen“ zu wollen – schließlich sieht die Wahrheit nur selten besonders hübsch aus. Und trotzdem wäre sie erfrischend und belebend. Stattdessen habe ich zunehmend das sichere Gefühl in einem Hubba-Bubba-Zustand der politischen Gesellschaftsklempnerei zu  leben. Ein Zustand, der jedes menschliche Bedürfnis nach Besonderheit und Einzigartigkeit und damit auch die sozialen und finanziellen Unterschiede vollständig ausrotten will. Eine Gesellschaft, die nur noch einen Gott anzubeten hat – den Staat!

Es ist nicht das Anliegen der politischen Akteure, den Menschen zu helfen, die es nötig haben – ihr Anliegen ist, zum einen diese Menschen in ihrem unangenehmen  Zustand dauerhaft verharren zu lassen und zum anderen den Kreis durch diejenigen stetig zu vergrößern, die noch auf eigenen Beinen stehen.

„Wohltaten“ von Papa Staat gegen Aufgabe von Eigenverantwortung und Freiheit, ist doch ein gutes Geschäft, oder? Nun gut, die „Wohltaten“ müssen wir zwar vorher selber bezahlen und sie fallen zudem immer deutlich kleiner aus als das, was man uns zuvor abgenommen hat, aber trotzdem finden wir diese doppelte Ausbeutung „total gerecht!“

Dieses süße, klebrige Gemisch von Gleichheit und „sozialer Gerechtigkeit“ legt sich flächendeckend in verstörender Weise und Geschwindigkeit über dieses Land. So war (unter  viel anderem hanebüchenem Unsinn) zu lesen, dass Sigmar Gabriel  – nur als EIN Beispiel hochgradigen Befalls von Schwachsinn – die Hausaufgaben abschaffen möchte, weil sonst die Kinder der Eltern, die möglicherweise intelligenter (weil Akademiker) sind als die, die ihren Kindern diese Aufmerksamkeit nicht angedeihen lassen (können) (weil Nicht-Akademiker) in unzulässiger Art und Weise bevorteilt sind. Mal davon abgesehen, dass er gerade denen, die sich in „seiner“ Partei zu Hause fühlen sollen gehörig auf die Füße tritt, ist es eine „soziale Ungerechtigkeit“ studierten Menschen prinzipiell mehr Grips zu unterstellen als nicht studierten.

Ich weiß, lieber Herr Baader, lieber Herr House, Ihnen würde hier trotz der Illusionslosigkeit über die gnadenlose „Idiotie“ unserer Volksvertreter  der Mund zumindest für einen Augenblick vor Fassungslosigkeit der Mund offen stehen – um dann – jeder auf seine ganz eigene Weise  – ihrem Unmut „Ausdruck zu verleihen“.  Und ich? Ich würde nur allzu gern dabei sein und Ihnen meine Hochachtung erweisen.

26 Gedanken zu „Lieber Herr Baader, lieber Herr Dr. House …

  1. Liebe Frau Kabliz,

    Die, die mich kennen wissen, dass Sie – Herr Baader – es waren, der mich aus dem „Tal der Tränen“ geholt hat und das zu einer Zeit als ich glaubte im falschen Leben gelandet zu sein. Einem Leben voll von den Utopien einer Wohlstandsgesellschaft, die sich einbildet, sie könnte seelenruhig die Errungenschaften der Vergangenheit verpulvern und sich mit auf Schulden basierten “Falschgeld” in den Reichtum konsumieren. In einer Welt, wo Begriffe und Beschreibungen verdreht und verbogen werden, wo es nur nach darum geht, politisch korrekt zu sein und ganz einfache ökonomische Gesetze komplett auf den Kopf gestellt werden.

    Wer so schreibt, hat einen steinigen und oftmals langen Irrweg politischer Gehversuche hinter sich, die irgendwie nie so recht einen Sinn ergaben oder in sich schlüssig waren; bis er dann über Umwege die unterdrückten Meinungen (dem Internet sei Dank) der klassisch Liberalen gestolpert ist. Das zumindest glaube ich aus den ersten Abschnitten dieses Artikels herauslesen zu können. Mir erging es jedenfalls so. Was mir allerdings weniger gelungen ist, ist jene Lichtblicke bei denen an den Mann zu bringen, »die mich kennen«. Hier stieß ich entweder auf Schulterzucken, auf Ablehnung oder gar offene Aggression. Selbst Teile meines intimsten Kreises konnten oder wollten mir nicht mehr folgen. Dabei hatte man im Grunde doch eine »frohe Botschaft« zu überbringen aber die Schere im Kopf der Menschen sitzt, nach 40 Jahren über alle Kanäle verstreute Propaganda (die oberflächlich kaum noch als solche zu erkennen ist) dermaßen tief, dass selbst hochintelligente Menschen keine Hinterfragung zu diesen neuen, allerdings bloß ideologischen Tabus mehr zulassen.

    So freue ich mich sehr, auf ihren Blog gestoßen zu sein und es freut mich um so mehr, neben Ayn Rand endlich noch eine weitere Frau zu verorten, die freiheitlichen Ideen jenseits der Menschenfänger anhängt.

    Chapeau! Schreiben Sie bitte weiter.

    Herzlichst, Johann Notke

  2. Lieber Herr Notke,

    ich bedanke mich sehr für Ihren Eintrag. Es ist genauso so, wie Sie es herausgelesen haben. Es war ein langer Weg! Und ja, man erntet leider nahezu immer Ablehnung und sogar Aggression. Immer, wenn wieder ein solcher Zeitgenosse auftaucht, schnappe ich mir Ludwig von Mises, Roland Baader, von Hayek oder selbstverständlich die wunderbare Ayn Rand und alles ist wieder in Ordnung! Oder ich bekomme eine solche Nachricht wie die Ihrige:-) Also nochmals meinen aufrichtigen Dank!

  3. Oder ich bekomme eine solche Nachricht wie die Ihrige:-) Also nochmals meinen aufrichtigen Dank!

    Gern’ geschehen! Und bei einer solch netten Antwort fühle ich mich bestimmt »genötigt«, weitere Ihrer Artikel zu kommentieren.

  4. Hallo Frau Kablitz!
    Dies muss als eines Ihrer besten Essays gelten. Hervorragend aufgebaut und inklusiv.
    Freue mich auch über die Anerkennung Ayn Rands von „Der Kristisator“.
    Herzliche Grüße (aus der Stadt der Engel)

  5. Darauf mußte ich verlinken und ein paar Worte schreiben.
    Die vorherigen Einträge waren schon genial, dieser schlägt Sie dennoch um Längen. Vor allem das Zitat aus dem Buch von Herr Baader, haut den Etatisten wirklich verbal gewaltig vor Ihre Selbstgefälligkeit. Sie könnten ohne den Restkapitalismus so gar nicht leben. Nur leider bedeutet es auch, erst wenn der Kapitalismus so gut wie gar nicht mehr vorhanden ist, bricht das Wohlfahrtsystem zusammen. Wer sich für die Geschichte interessiert, weiß wie sich die Bürokraten dann über die Runde bringen… Und leider haben es eine Vielzahl überlebt und der freiere Markt wurde wieder stranguliert….

  6. Erfrischender und berührender Artikel. Da kann ich mich den vorigen Kommentatoren nur anschließen.
    Den zitierten Auszug von Herrn Baader hatte ich bereits eines Tages einmal gelesen, doch er erstrahlte beim zur Gemüte führen durch ihren Artikel ohne Verlust zum vorigen Male noch genauso in seiner Klarheit, Deutlichkeit und nach meinem Empfinden auch Herzlichkeit.
    Fast schon erstaunlich noch so viel Liebe und Güte in seinen Worten zu entdecken, wo ein schmerzerfüllter Aufschrei des Kapitalisten doch ebenso denkbar wäre.

    Gestatten Sie mir eines anzumerken.
    Im letzten Abschnitt würde m.E. einmal „der Mund“ zu entfernen eine Dopplung korrigieren.

    Und noch eines.
    Es ist sehr schade, dass Herr Baader am Ende des verlinkten Artikels doch wieder für ein Monopol eintritt. (Am Ende doch wider die Vernunft?)
    Meines Wissens hat er es an anderer Stelle auch einmal nicht getan oder zumindest den Gedanken derjenigen begrüßt, die dieses Monopol ebenso wie alle anderen bzw. die nicht-vollständige Reduktion des Gewaltmonopols auf Null ablehnen.
    Welchen Herrscher will man stürzen, wenn es keinen gibt, der von einem äußeren Aggressor gestürzt oder unterwandert werden könnte?
    Für die innere Sicherheit sollen freie Menschen in freiwilliger Kopperation, also in freier Marktwirtschaft nicht bessere Ergebnisse bringen können als eine Gruppe von Menschen ausgestattet mit einem Gewaltmonopol?

    Ein Letztes.
    In meinem persönlichen Falle liegt m.E. die Wurzel des Übels tiefer im Hirn als das was bewusst und reflektiert geäußert wird.
    Das implizit Gelernte Verantwortung für andere zu tragen, auch wenn diese nicht freiwillig vorher als Verpflichtung eingegangen wurde, wie bspw. die ärztliche Dienstleistung des Dr. House, schadet mir (und meiner Umwelt) glaube ich mehr als ich bislang für voll genommen habe.
    Zum Glück liegt die Verantwortung zur Änderung der automatisch-unbewussten Handlungsmuster und Gedanken jedoch ebenso bei mir.
    Es scheint mir schon fast perfide, dass ich mir selbst fehlenden Egoismus attestiere.
    So lebe ich wohl (noch) ebenso widersprüchlich – wenn auch auf andere Art und Weise -, wie meine etatistisch-sozialistisch-kollektivistischen Bekannten, die gewöhnlich friedlich und freiwillig interagieren, ihr fiat-Geld und eigenes angehäuftes Kapital (wert-)schätzen, jedoch für viele Lebenslagen staatlichen Interventionismus fordern und dem Kapital Übles reden.

    Die Kinder sind in einigen Lebensbereichen erwachsen geworden, wollen ihre Mitmenschen aber bemüttern und bevätern und sich selbst sowie ihre Mitmenschen wieder zum Kinde degradieren.
    Der Erwachsene hat erkannt, dass er in einigen Lebensbereichen noch immer Kind ist, will aber sich selbst sowie seinen Mitmenschen, die Möglichkeit geben in allen Lebensbereichen erwachsen zu werden. Eigentlich fordert er diese Möglichkeit, bzw. noch genauer (ver)langt er nach weniger Einschränkungen für diese Möglichkeit(en).
    Mit dem Vorteil, wie immer begluckend und entmündigend er auch behandelt wird, kann er sich doch seinen eigenen Weg an dieser Entmündigung vorbeisuchen. Selbst wenn dem viele Hindernisse in den Weg gestellt werden.
    Gold, Silber, Bitcoins oder Tauschbörsen wären ja beispielsweise Wege am fiat money Euro vorbei. Dass dies mit vielen Hindernissen belegt ist, erübrigt sich eigentlich zu erwähnen.

    Besonders der bis hier letzte Abschnitt ist noch ein frischer, relativ unreflektierter Gedankengang. Gut möglich, dass Anpassungen, Perspektivwechsel oder andere Änderungen bei der Analogie brauchbar wären.

    Noch einmal Danke für den Artikel.
    Der Mut die Wahrheit auszusprechen, sollte („darf“) m.E. nicht in Wohnzimmern, vertrauten Umgebungen und Blogs verbleiben – auch wenn er das vielleicht gerade häufig tut -, sondern mit hinausgenommen werden in die weite Welt.
    Zumindest wäre das zu begrüßen.
    Emanzipieren wir uns!

    Gruß,
    Mielia

  7. Immer, wenn wieder ein solcher Zeitgenosse auftaucht, schnappe ich mir Ludwig von Mises, Roland Baader, von Hayek oder selbstverständlich die wunderbare Ayn Rand und alles ist wieder in Ordnung!

    Dazu fällt mir noch was ein. Wäre es generell nicht das beste, in dieser Sache frei nach dem Leitsatz »Leben und leben lassen« zu agieren? Einfacher ist es auf jeden Fall aber hin und wieder überkommt mich die lausbübische Lust, ins Wespennest zu stechen. Über die Lust komme ich allerdings selten hinaus, was mich dann wiederum ärgert. Ein gutes Beispiel gibt dabei der Blog »Spiegelfechter« ab. Der Macher des Blogs sieht sich selbst nicht als Linker und aus Sicht der dort agierenden Protagonisten, die intellektuell durchaus auf hohem Niveau agieren, dürfte es nicht viel anders sein, doch ist dieser Blog dermaßen linksgebürstet, dass einem davon schwindelig wird, wie rechts jene Leute die Welt aus ihren Augen wahrnehmen. Dabei handelt es sich beim Spiegelfechter mitnichten um das radikale Präkariat aus »Antifa« & Co.

    Wie dem auch sei. Vor einiger Zeit wagte ich es mal, dort zu behaupten, dass nicht alles immer rechter, sondern bis tief in die CDU hinein immer linker wird. Ich war mir meinem Shitstorm sicher. Spaß hat es im Nachhinein trotzdem gemacht, auch wenn es viel Energie kostet, dabei die Stange zu halten.

    Ohne nun gänzlich abweichen zu wollen, stellt sich im Falle »Spiegelfechter« für mich die Frage, wie verkehrt man sich die Welt den einreden kann. Die Leute dort sind ja offensichtlich nicht dumm. Diese Frage gilt selbstverständlich auch für die Libertären.

    Grüße, Johann Notke

    http://www.spiegelfechter.com/

  8. Lieber „Kritisator“,

    vielen Dank für Ihren wertvollen Hinweis. Hier agiert u. a. Jens Berger, der ja auch schon mit den „Nachdenkseiten“ seine „linke Liebe“ deutlich macht. In der Tat agieren hier zum Teil hochintelligente Menschen und argumentieren dementsprechend gut. Vor allem für die nicht despektierlich gemeinte „breite Masse“, die schon bei einem Blick in die „Süddeutsche“ vor Ehrfurcht erstarrt, obwohl hierzu nicht der geringste Grund besteht.
    Weil hier „Intellektuelle“ am Werk sind, ist es in der Tat bisweilen schwierig, das „Geschwurbele“ auf das herunterzubrechen, was eigentlich gesagt werden soll, mit ganz einfachen Worten. Meist gehört es zu deren Werkzeugen, die Dinge so kompliziert wie möglich darzustellen, dass man – um nicht als Depp dazustehen – zustimmt. Auch hören sich die Ideen meist gut an, menschlich und warmherzig. Bei näherem Hinsehen stellt sich dann meist das Gegenteil heraus. Ludwig von Mises hat in seinem Werk „Die Wurzeln des Antikapitalismus“ das „Ressentiment der Intellektuellen“ sehr schön beschrieben und deren wahre Hintergründe wenig schmeichelhaft entlarvt. Mit dem Zeitgeist mitzuschwimmen und sich als moralisch überlegen darzustellen, ist ein wunderbares Mittel, Bewunderung zu ernten. Viele Menschen der „Intelligenzia“ bilden die sogenannte „gute Gesellschaft“, sie mögen es meist nicht, wenn Menschen hinzustoßen, die vermeintlich dümmer sind, aber trotzdem im Leben mehr erreicht haben. Die meisten mögen es, über anderen zu stehen und deren Lebensweg zu bestimmen. Warum ist der Sozialismus gerade bei den „Menschenfreunden“ so beliebt? Wohl hauptsächlich deswegen, weil sie hoffen und davon ausgehen, zu den „Bestimmern“ und nicht zu den „Bestimmten“ zu gehören. Roland Baader beschreibt es in „totgedacht – warum Intellektelle unsere Welt zerstören“ auch vortrefflich. Nahezu immer ist es der Neid, verschwindend selten die Liebe zu den Menschen, die sogenannte „Linke“ antreibt, auch wenn sie dies vortrefflich verschleiern können. Noch bemitleidenwerter ist es, wenn sie sich zum „Linkssein“ nicht einmal bekennen. In eine bestimmte Ecke gesteckt zu werden, eine Ecke, die ihre Argumentation aufgrund dieser Verortung abschwächt, ist nicht erwünscht.

  9. Weil hier “Intellektuelle” am Werk sind, ist es in der Tat bisweilen schwierig, das “Geschwurbele” auf das herunterzubrechen, was eigentlich gesagt werden soll, mit ganz einfachen Worten. Meist gehört es zu deren Werkzeugen, die Dinge so kompliziert wie möglich darzustellen, dass man – um nicht als Depp dazustehen – zustimmt.

    Siehe H.H. Hoppe, der den Antiintellektuellen-Intellektuellen fordert. Die geschwurbelte Sprache ist in der Tat sehr auffallend. Man denke an die Texte der RAF oder der »Anti«fa bei Indymedia. Ihre Deutung würde allerdings implizieren, die Autoren solcher Texte wüssten um die Divergenz ihrer Logik. Da bin ich mir allerdings nicht sicher. Unbewusst vielleicht?

    Mit dem Zeitgeist mitzuschwimmen und sich als moralisch überlegen darzustellen, ist ein wunderbares Mittel, Bewunderung zu ernten.

    Da ich ursprünglich selbst aus dem linken Lager komme und es immer von Herzen »gut« meinte, glaube ich tatsächlich, dass diese Leute es ehrlich meinen. Sie glauben für eine gute Sache zu kämpfen. Gesagt mit Nicolás Gómez Dávila: »Die Tragödie der Linken? Die Krankheit richtig diagnostizieren, aber mit ihrer Therapie verschlimmern.«

    Nahezu immer ist es der Neid, verschwindend selten die Liebe zu den Menschen, die sogenannte “Linke” antreibt, auch wenn sie dies vortrefflich verschleiern können.

    Unterschwelliger Neid spielt wohl eine Schlüsselrolle, aber nur weil daran geglaubt wird, das herbeigesehnte System herrsche noch nicht. Dass das eigene System bereits längst installiert ist und die ganzen Probleme erst verursacht, ist eine andere Erkenntnislogik. Mit einer Neiddebatte jedenfalls, ist es ein Leichtes Menschen zu fangen und dies ist eine der größten und wirksamsten Propaganderwaffen der Linken. Es ist nachgerade menschlich. Panem et circenses, wie Roland Baader immer wieder sagte.

    Noch bemitleidenwerter ist es, wenn sie sich zum “Linkssein” nicht einmal bekennen. In eine bestimmte Ecke gesteckt zu werden, eine Ecke, die ihre Argumentation aufgrund dieser Verortung abschwächt, ist nicht erwünscht.

    Volle Zustimmung! Wobei ich auch hier geneigt bin zu unterstellen, dass (in unserem Beispiel Jens Berger) es tatsächlich glaubt.

    Lange Rede kurzer Sinn. Der Spiegelfechter erbringt für ein Wesensmerkmal der Linken die Blaupause: Andere Meinungen sind per se falsch, da man per se immer die richtige Meinung besitzt. Dieses Dogma speist sich aus einer biblischen Metapher: David gegen Goliath. Und wer kann schon allen Ernstes gegen David sein, auch wenn ihm der Baum der Erkenntnis abhanden gekommen ist, längst zu Goliath und Genossen zu gehören?

  10. Ich muss, jetzt nach der Buta-Wahl, nochmal kurz nachlegen. Das habe ich soeben beim Spiegelfechter gefunden:

    Die deutsche Tea Party
    Wer glaubt, die FDP stünde in Sachen Marktradikalität am äußersten Ende des Flügels, täuscht sich gewaltig. Basierend auf den theoretischen Werken von Ludwig von Mises und August von Hayek und den philosophischen Schriften von Ayn Rand hat sich im Umfeld der sogenannten „Österreichischen Schule“ eine Ideologie ausgebreitet, die man wohl am ehesten als marktfundamentalistisch bezeichnen könnte. In den USA feiern die Vertreter dieser Richtung momentan ihren Siegeszug innerhalb der ansonsten erzkonservativen Tea-Party-Bewegung. Da sich Anhänger dieser Denkschule mit Vorliebe als „Liberale“ ausgeben, ist es nicht so einfach, diese Schule begrifflich zu fassen. Zurückgreifend auf den Theoretiker Lew Rockwell bietet sich hier wohl am ehesten der Begriff „Paläolibertarismus“ an. In seiner letzten Konsequenz stellt der Paläolibertarismus den freien Markt und das private Eigentum über alles andere, lehnt damit auch den Staat und vor allem den Sozialstaat im Kern ab und fordert stattdessen die Unterwerfung aller Lebensbereiche unter die Marktideologie. Soziale Autoritäten wie die Familie und die Kirche sollen dabei das Individuum vor dem Staat schützen, der für Paläolibertäre das Feindbild ist.
    Die AfD passt nahtlos in dieses Schema. Sie definiert die Familie als „Keimzelle“ der Gesellschaft. Das ist ziemlich schwammig. Konkreter wird die AfD bei ihren bildungspolitischen Positionen. Bildung soll nach den Vorstellungen der AfD als „Kernaufgabe der Familie“ gefördert werden, Kitas und Schulen sollen dies lediglich „sinnvoll ergänzen“. Christliche Fundamentalisten, die sich der Schulpflicht widersetzten, werden dies gerne hören. Wie die Tea-Party-Bewegung will auch die AfD den Staat am liebsten auf einige wenige Kernkompetenzen reduzieren und sieht zwischen den Zeilen in staatlichen Systemen, wie dem Rentensystem oder der gesetzlichen Krankenversicherung bereits eine Vorstufe zum Sozialismus.

    AfD ante portas – Rechtsruck mit der deutschen Tea Party

    Mir fehlen die Worte.

  11. Lieber „Kritisator“,

    ja, es fehlen einem die Worte bei einem solchen „Wortmatsch“. Der „Spiegelfechter“ spiegelt in perfekter Weise den Zeitgeist wieder. Es ist unfassbar, mir fehlen auch immer wieder die Worte, wenn ich so etwas lese. Ich wünschte, ich könnte Ayn Rand auferstehen und diese Verbalakrobaten in der Welt von „Der Streik“ wiederaufleben lassen. Es muss hier alles noch viel mehr den Bach runtergehen und selbst dann werden diese Menschen den Grund des Untergangs „im Marktradikalismus“ suchen und natürlich auch finden. Dieser „Spiegelfechter“ ist ein perfektes Gebilde unserer Zeit, jemand, der den Staat so tief in sich aufgesogen hat, dass keine Hoffnung mehr besteht. Wenn ich solche Dinge lese, dann überkommt mich (leider immer noch) ein hoffnungsloses Gefühl; ich befürchte dann, dass „alle“ so sind. Das stimmt aber zum Glück nicht! In dem ganzen Gift, was dort verspritzt wird, kommt nicht ein einziges Mal zur Sprache, dass wir gar keinen freien Markt haben und dass die „Austrians“ den einzelnen Menschen als etwas Beschützenswertes angesehen hat, als etwas Wertvolles. Der „Spiegelfechter“ kann sich nur im Kollektiv behaupten, deswegen verteidigt er dieses. Nur die Zustimmung zum „Sozialen“ gibt hier Wert! Schade, wenn man so wenig für sich selbst steht und das Individuum grundsätzlich zutiefst verachtet.

  12. Vielen Dank, für die spontane Antwort. Es war wohl eine Art »Hilferuf« von mir, dies zu posten. .-) Aber es schüttelt mich manchmal so sehr, dass ich jene Artikel kaum lesen kann. Das schlimme ist, es klingt auf den ersten Blick, wenn man all das noch nie hinterfragt hat, auch noch, naja, schlüssig: Radikale Christen mit Heimerziehung und so.

    Ich glaube, diese Autoren meinen es tatsächlich gut. Ich glaube auch nicht, dass sie das Individuum per se verachten. Es fehlt ihnen bloß der Mut, sich selbst unangenehme Fragen zu stellen und diese auch zu ohne Zurechtbiegungen zu beantworten. Die Schere im Kopf! Ich weiß noch, wie sehr ich erschrocken über mich selbst war und wie lange es gedauert hat, bis ich den Mumm hatte, mir selbst gegenüber Farbe zu bekennen.

    Immerhin tauchen Namen wie Mises in dem Artikel auf. Das ist erstaunlich. Ob der Autor jemals Mises oder Baader gelesen hat, sei dahin gestellt.

    Aber ich mache keine Vorwürfe da ich die Denkmuster aus der Retrospektive sehr gut nachvollziehen kann. Es macht mich bloß traurig, dass Menschen, die solch doch so intensiv und fast tagtäglich mit Politik beschäftigen, die Kurve nicht (mehr) kriegen.

  13. staatlichen Systemen, wie dem Rentensystem oder der gesetzlichen Krankenversicherung bereits eine Vorstufe zum Sozialismus.

    Auch so interessant. Ja, was sind diese Systeme denn sonst, außer sozialistisch? Und funktionieren sie denn? Eben nicht! Hier werden ausgerechnet zwei Beispiele genannt, die doch gerade das Vesagen des Staates als Musterbeispiel abliefern.

  14. Sie sind ein ehrenwerter Mensch!

    Ihr Zitat: „Ich glaube, diese Autoren meinen es tatsächlich gut. Ich glaube auch nicht, dass sie das Individuum per se verachten. Es fehlt ihnen bloß der Mut, sich selbst unangenehme Fragen zu stellen und diese auch zu ohne Zurechtbiegungen zu beantworten. Die Schere im Kopf! Ich weiß noch, wie sehr ich erschrocken über mich selbst war und wie lange es gedauert hat, bis ich den Mumm hatte, mir selbst gegenüber Farbe zu bekennen.“

    Ich finde es wunderbar, wenn Menschen davon überzeugt sind, dass die, die so reden, immer das Gute zu wollen! Ich denke, wir wurden größtenteils so erzogen. Ich glaube daran inzwischen nicht mehr, denn jemand, der so perfekt argumentiert, muss ich viele Gedanken gemacht haben. Und er muss intelligent sein. Baader und Mises und auch Ayn Rand haben diesen Typus Mensch genauestens beschrieben und ihn aus diesen Gründen „verachtet“. Es zeugt von menschlicher Größe, wenn man sich selbst gegenüber Farbe bekennt! DAS ist das, was Gutes erzeugt. Nur Gutes zu wollen ist einfach nicht genug! Vor allem dann nicht, wenn man für den Nachweis, dass dieses System, dass von diesem Autor so vehement verteidigt wird, in der Vergangenheit immer langfristig in den Untergang geführt hat.

  15. Danke für das Ehrenwert und so! Ich bin wohl schon oft über meine Naivität gefallen, und neige dazu es immer wieder zu tun. Das trifft es wohl eher.

    Interessant hierzu ein Interview mit Sebastian Moll inder JF: Zitat: »Gutmenschen sind, frei nach Goethe, ein Teil von jener Brut, die stets das Gute denkt und nie das gute tut. Ihnen liegt es nur daran,ihre reine Gesinnung zu wahren, für die Konsequenzen interessieren sie sich nicht.« Nach dem Schema: Hauptsache die Ideologie stimmt. Alles andere ist unwichtig und koste es Berge voller Leichen.

  16. Hallo Frau Kablitz, vielen Dank für den wundervollen Artikel. Ich kann nur sagen, mir ging es genau so. Ein langer, steiniger Weg der Erkenntniss. Wie ich das erste mal ein Buch von Roland Baader: „Die belogene Jugend“ in der Hand hatte, da dachte ich mir, „Wah, genau das ist es.Der Mann hat 99% recht( 100% gibt’s nie). Ich kann dass leider auch nur bestätigen, dass der Großteil meines Bekanntenkreises auch gar nicht davon hören will. Sie wollen weder mehr Freiheit haben, noch Verantwortung für ihr Tun und Handeln übernehmen. Aber das ist gar nicht mehr mein Problem. Was mich betrübt ist, dass man sich gerade in libertären Kreisen erst recht in die „Pfanne“ (z.B. siehe Partei der Vernunft) haut. Ich dachte mal, na die Leute haben es wenigstens „geschnallt. Aber „Pustekuchen“. Gut, dass wir uns auf Ihren Blog wenigstens einig sind.
    Machen Sie weiter so, schreiben Sie so, wie Ihnen Ihr „schabel“ und Ihr Herz gewachsen ist.
    Freiheitliche Grüße

  17. Pingback: Frau Kablitz schlägt zu | Beim nächsten Geld wird alles anders

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