Dritter Teil: Ein Mann – Ein Wort! – Ein Gespräch zwischen Vater und Tochter über die Freiheit und den Frieden

Ich bin in der Welt der Bücher aufgewachsen. Meine Eltern hatten mir seit frühester Kindheit die Liebe zu den Worten, die – je nachdem wie man die einzelnen Buchstaben zusammensetzte – so unterschiedliche Empfindungen in einem Menschen auslösen konnten, stets nahegebracht. Je älter ich wurde, desto mehr ermutigten sie mich dazu, mich um gute Bücher zu bemühen und sie sorgfältig zu behandeln.

„Die Auswahl der Bücher ist wie die der Freunde eine ernste Pflicht. Wir sind für das, was wir lesen, genauso verantwortlich wie für das, was wir tun“, so zitierte mein Vater Sir John Lubbock, ein Leitsatz, den er strikt einhielt. Wir sahen recht selten fern, was ich als Kind bisweilen ziemlich doof fand, denn in der Schule stand ich damit auf recht verlorenem Posten und musste mir die Sorte von blöden Sprüchen anhören, die ich überhaupt nicht hören wollte. Wie dankbar ich später einmal meinen Eltern sein würde, wusste ich damals noch nicht.

Trotz dieser Vertrautheit zur Literatur schluckte ich, als mein Vater mir den gut 1200 Seiten starken Wälzer vor einigen Wochen in die Hand drückte, kurz nachdem er in der Zeitung gelesen hatte, dass die französische Regierung plante, eine einheitliche Arbeitslosenversicherung für die Euro-Zone, eine Verstaatlichung maroder Unternehmen und das Verbot für Unternehmer deren „profitable“ Firmen zu schließen, gesetzlich zu verankern. Heute, kurz vor dem Abendessen, hatte ich die letzten Seiten gelesen und legte nun Ayn Rand´s Buch „Der Streik“ nachdenklich zur Seite.

„Demnach ist es der Erfolg, der unseren Kopf aufs Schafott bringt, wogegen das Versagen uns das Recht verleiht, am Seil zu ziehen. Dies ist die Schreckensvorstellung, die Robin Hood als Vorbild für Rechtschaffenheit unsterblich gemacht hat. Man sagt, er habe gegen die ausbeutenden Massen gekämpft und deren Beute an jene zurückgegeben, die ausgeraubt worden waren, aber das ist nicht die Bedeutung der Legende, wie sie bis heute überliefert ist. Er ist den Menschen nicht als der Verfechter des Besitzes, sondern der Not in Erinnerung geblieben, nicht als ein Verteidiger des Beraubten, sondern als ein Versorger der Armen.

Er gilt als der erste Mann, der sich den Heiligenschein der Tugend verdiente, in dem er mit Reichtümern, die ihm nicht gehörten, zum Wohltäter wurde, Güter verschenkte, die er nicht produziert hatte, und andere für den Luxus seines Mitleids bezahlen ließ. Er ist der Mann, der zum Symbol der Idee wurde, dass Not und nicht Leistung die Quelle aller Ansprüche sei; dass wir nicht produktiv sein müssen, sondern dass es reicht, was unverdient ist. Es wurde zu einer Rechtfertigung für jeden Durchschnittsmenschen, der, unfähig, seinen eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, die Macht einfordert, über den Besitz besserer Menschen zu verfügen, indem er seine Bereitschaft erklärt, sein Leben den ihm Unterlegenen zu widmen, zulasten der über ihm stehenden Menschen, die er beraubt.

Dies ist die verdorbenste aller Kreaturen – der zweifache Parasit, der von den Wunden der Armen und dem Blut der Reichen lebt, den die Menschen als ihr moralisches Ideal akzeptiert haben. Genau das hat uns eine Welt beschert, in der ein Mann sich dem Verlust all seiner Rechte immer weiter nähert, je mehr er produziert, bis er, wenn sein Talent groß genug ist, zu einem entrechteten Wesen wird, das als Beutetier jedem beliebigen Bittsteller ausgeliefert wird – während es reicht, in Not zu sein, um über alle Gesetze gestellt zu werden, über Prinzipien, über Moral, in eine Position, in der alles erlaubt ist, sogar Plünderei und Mord.“

Ich saß im Schneidersitz auf dem Teppich vor dem Ohrensessel meines Vaters und las ihm diese Zeilen latut vor. Zeilen, die mich neben vielen anderen Stellen zutiefst getroffen hatten.

Ich fragte ihn: „Ist es denn das nicht genau das, was uns als Mensch so besonders macht? Die moralische Verpflichtung zu helfen? Ist denn das, was mich in der Beschreibung unseren Staat darstellt, denn nicht dessen dringlichste Pflicht, diejenigen dazu zu zwingen, die mehr als genug zum Leben haben, den überschüssigen Teil an die Armen abzugeben?“ 

Mein Vater hielt seine Lippen fest um die Pfeife geschlossen und antwortete mir dann ebenso mit einem Zitat: „Das allgemeine Streben, Sicherheit durch restriktive, vom Staat geduldete oder unterstützte Maßnahmen zu erlangen, hat im Laufe der Zeit zu einer ständig wachsenden Umwandlung der Gesellschaft geführt – einer Umwandlung, in der, wie in so mancher anderer Beziehung, Deutschland führend war, während die anderen Länder folgten. Diese Entwicklung ist durch eine andere Wirkung der sozialistischen Doktrin beschleunigt worden, nämlich die bewußte Verunglimpfung jeder mit einem Risiko verbundenen Tätigkeit und die moralische Stigmatisierung der Gewinne, ohne die sich Risiken nicht lohnen, die aber nur wenigen zufallen können.

Wir können unsere jungen Leute nicht tadeln, wenn sie der sicheren, festbezahlten Stellung den Vorzug geben vor dem Risiko eines selbstständigen Unternehmens, nachdem sie von frühester Jugend an gehört haben, die erstere sei die höherwertige, selbstlosere und uneigennützigere Betätigung. Die jüngere Generation unsere Zeit ist in einer Welt aufgewachsen, in der in Schule und Presse der Unternehmergeist als schimpflich und das Verdienen als unmoralisch hingestellt worden sind, in der die Beschäftigung von hundert Arbeitern als Ausbeutung gilt, aber die Kommandierung der gleichen als ehrenvoll.“

Mein Vater klappte Friedrich August von Hayek´s Buch „Der Weg zur Knechtschaft“ aus dem Jahr 1944 zu und schwieg. Ich schwieg auch. Ich musste nachdenken. Wieso hatte ich das Gefühl, dass immer mehr von dem, was ich üblicherweise hörte, so nicht zu stimmen schien? Mir schien es nachvollziehbar, dass in diesen Zeiten beispielsweise der französische Staat den Firmeninhabern gesetzlich verbieten wollte, ihre Unternehmungen zu schließen, wenn es ihnen gut ging. Sie hatten immerhin Verantwortung für die vielen Menschen, die dort arbeiteten und abhängig davon waren, dass Löhne und Gehälter weitergezahlt wurden.

Mein Vater schien meine Gedanken zu lesen und sagte: „Weißt Du, Kleines, viele Jahrhunderte lang hat man unter Freiheit die Freiheit von obrigkeitsstaatlichem Zwang verstanden. Roland Baader hat dies in seinem Buch „Fauler Zauber“ wunderbar beschrieben. Er hat immer wieder erklärt, dass die Freiheit für die Menschen heute in der Vorstellung besteht, sie bedeute die Freiheit von Verantwortung. Selbst oder sogar gerade die Gewalt durch den Staat kommt ihnen da wie gerufen. Die Menschen trauen sich nicht, zum Nachbarn zu gehen und ihn aufzufordern, von dessen Geld den größten Teil an sie abzugeben. Mit dem Staat als legitimen Vollstrecker sind sie aber mit dieser Vorgehensweise mehr als einverstanden.

Ist es nicht mehr als richtig, dem Unternehmer die Entscheidung zu überlassen, was er mit seinem Unternehmen anstellt? Soll es wirklich so sein, dass diejenigen, die kein Risiko eingehen, diejenigen, die ihre Sicherheit auf dem Risiko anderer aufbauen, darüber entscheiden sollen und dürfen, wie lange und zu welchem Preis der Unternehmer dieses Risiko tragen muss? Zerstören wir in unserer berechtigten Wut auf subventionsgemästete Großkonzerne nicht eher den ganzen Mittelstand? Den Mittelstand, der es sich nicht leisten kann, dem Gutmenschentum auf anderer Leute Kosten – auch Politik genannt – Folge zu leisten?

Zwang löst die Freiheit auf und gefährdet langfristig den Frieden. Lange mag es in den Menschen gären und sie lassen sich viel gefallen, weil sie fest daran glauben, dass etwas zu ihrem Besten geschieht und gerechte Verhältnisse herrschen. Freiheit bedeutet keinesfalls die unbegrenzte Freiheit, denn sie würde nur den Stärkeren bevorzugen. Die Freiheit hört eben da auf, wo die Freiheit eines anderen anfängt. Wir werden das noch näher besprechen, dann, wenn es um die Gleichheit vor dem Recht geht.

Wir begeben uns jedoch schnurstracks in eine Phase, wo die Freiheit des Einzelnen gar nichts mehr zählt, es zählt nur noch das, was vermeintliche Übermenschen für gut und sinnvoll bewerten. Nichts fällt ihnen zu diesem Zweck mehr in die Hände als die sogenannte „soziale Gerechtigkeit“. Kein moralischer Mensch wagt sich gegen etwas zu stellen, dem das Etikett „sozial“ angeheftet ist, auch wenn er an der Sinnhaftigkeit erheblich zweifelt.

Die meisten Menschen wollen, dass es allen auf der Welt gut geht. Aber in deren Heimat, in deren sozialem Umfeld, zu deren Werten und nicht zu unseren. Das ist menschlich, das ist erstrebenswert. Aber genau das wird vor allem durch die Politik verhindert, genau das wird durch sie nicht geschehen. Mit diesen Argument wird nur so lange den angeblich Reichen genommen bis auch diese nichts mehr haben. Die Armen haben dadurch keinen einzigen Cent mehr in der Tasche. Die werden nur so lange benutzt, bis ihre Aufgabe erfüllt ist. Ihre Aufgabe, den vermeintlichen Menschenfreunden die auskömmliche Rente zu garantieren.

Die Armut hat nie durch politische Eingriffe abgenommen, ganz im Gegenteil. Wenn Armut geendet hat, waren tüchtige Menschen dafür verantwortlich. Menschen, die die Ärmel hochgekrempelt und mitangepackt haben. Die, die in Armutsgebieten verhungernden Kindern etwas zu essen gegeben haben und nicht die, die sich pressewirksam störend, vom echten Elend abgeschirmt, mit reichlich Bildern des nach außen getragenen „ich-bin-ein-guter-Mensch-Getue“ in das vom Steuerzahler finanzierte, auf Idealtemperatur regulierte Luxusflugzeug setzen, um dann, nachdem sie hier aus ihrem sündhaft teuren, ebenfalls vom Steuerzahler finanzierten, Audi A8 aussteigen, um den Menschen zu erklären, war Armut ist und diese gefälligst – moralisch verpflichtet – ihren Lebensstandard durch die Zahlung noch höherer Steuern und Abgaben einschränken sollen. Wegen der sozialen Gerechtigkeit, wegen der Ungleichbehandlung, wegen der Rettung des Weltfriedens! Eigentlich ist es ihnen egal, für was, Hauptsache, das! Hauptsache, wir suhlen uns in unserer Schuld und unser schlechtes Gewissen öffnet vor allem unser Portemonnaie.

Mein liebe Tochter, ich mache mir große Sorgen um uns alle. Wir fordern die Freiheit und den Frieden in höchstem Maße heraus. Warum sollen uns diese wichtigen Errungenschaften vieler Menschen, die dafür Blut vergossen haben, erhalten bleiben, wenn wir sie derartig mit Füßen treten? Frieden herrscht dann, wenn Menschen mit ihren Lebensumständen zufrieden sind. Die Freiheit ist mehr als aus 89 Fernsehprogrammen auszuwählen, 414 Marmeladensorten im Regal vorzufinden, aus x-verschiedenen, aber inhaltlich gleichen Parteien auszuwählen. Mehr als eine Meinung zu vertreten, die sowieso gesellschaftlich legitimiert ist, mehr als in schwachsinnigen Talkshows, wo immer die gleichen Leute sitzen, eine Meinung zu posten, die sowieso nach 10 Sekunden vergessen ist.

Die Freiheit und der Frieden stehen zum Verkauf! Und warum? Weil wir nicht bereit sind, die wahren Schuldigen für ihre Schandtaten zur Verantwortung zu ziehen. Weil wir uns damit selbst in Frage stellen müssten und um uns diese Schmach nicht einzugestehen, verscherbeln wir die Freiheit und den Frieden für ein wenig postulierte „soziale“ Gerechtigkeit, die jedoch niemals eintreten wird. Nicht, solange Menschen an der Macht sitzen, die diesen Begriff nur benutzen, um andere zu instrumentalisieren. An der wirklichen Gerechtigkeit sind sie gar nicht interessiert. Wären sie das, würden sie einer Tätigkeit nachgehen, die der Gesellschaft Werte gibt und nicht nimmt.“

Dies ist der dritte Teil einer Serie, die in respektvoller Erinnerung an den herausragenden österreichischen Ökonomen Ludwig von Mises (1881 – 1973) in sieben Gesprächsintervallen erscheint.

Erster Teil: Ein Mann – Ein Wort! – Ein Gespräch zwischen Vater und Tochter über den Liberalismus

Zweiter Teil: Ein Mann – Ein Wort! – Ein Gespräch zwischen Vater und Tochter über die Österreichische Schule der Nationalökonomie

Vierter Teil: Ein Mann – Ein Wort! – Ein Gespräch zwischen Vater und Tochter über die Gleichheit vor dem Recht

Fünfter Teil: Ein Mann – Ein Wort! – Ein Gespräch zwischen Vater und Tochter über die Sozialpolitik

Sechster Teil: Ein Mann – Ein Wort! – Ein Gespräch zwischen Vater und Tochter über billiges Geld

Siebter Teil: Ein Mann – Ein Wort! – Ein Gespräch zwischen Vater und Tochter über die Feinde der Freiheit

10 Gedanken zu „Dritter Teil: Ein Mann – Ein Wort! – Ein Gespräch zwischen Vater und Tochter über die Freiheit und den Frieden

  1. Hallo Frau Kablitz,

    Ich möchte dem Zitat widersprechen, nach dem alle Menschen wollen, daß es allen Menschen auf der Welt gut geht (viertletzter Absatz). Ich denke, dieser Wunsch wird nur als ein zu befolgendes Ideal verkauft, und man verkauft es, um Menschen durch ihre eigene Tugendhaftigkeit, sie sie wollen sollen, in den Konformismus zu tricksen.

    Was Menschen tatsächlich wollen (zumindest in unseren Breiten und innerhalb unserer vom modernen Zeitgeist geprägten Sphäre), ist, daß es niemandem besser gehen soll als einem selbst. Alle sollen gleich gemacht werden, und wenn das nur auf einem Niveau zu haben ist, wo es allen schlechter aber gleich geht, wird das einem alternativen Szanario, wo es eine Varianz im Lebensstandard gibt zwischen „Top“ und „Bottom“, es aber sogar denjenigen am „Bottom“ noch besser geht als im vorherigen Szenario, zumeist vorgezogen. Mit anderen Worten, es ist der NEID, der die Motivation darstellt, nicht beste Wünsche.

    Teilweise wurde dies wohl auch in soziologischen und psychologischen Experimentaluntersuchungen resümiert. Das findet sich sogar in der heutigen politischen Polemik. Sozial gerecht ist wenn alle gleich arm sind, das ist „chancengleich“. Sozial ungerecht da nicht chancengleich ist, wenn es allen besser als arm geht, aber eben alle nicht auf die gleiche Weise gleich besser dran sind. Konformismus heißt, keine Unterschiede zuzulassen.

  2. Ich füge ergänzend noch einen Literaturauszug hinzu, die Einleitung des ersten Kapitels aus Antoine de Saint-Exupery’s „Die Stadt in der Wüste“ (Citadelle):

    „Allzuoft habe ich gesehen, wie da smitleid irregeht. Doch wir, die wir über die Menschen herrschen, haben ihr Herz zu ergründen gelernt, damit sich unsere Fürsorge einem Gegenstand zuwende, der unserer Betrachtung würdig ist. So versage ich dieses mitleid den eitel zur Schau getragenen Wunden, die den Frauen das Herz zerreißen, wie auch den Sterbenden und den Toten. Und ich weiß, warum.

    In meiner Jugend gab es eine Zeit, da hatte ich Mitleid mit den Bettlern und ihren Geschwüren. Ich warb Heilkundige für sie and und kaufte Balsam. Die Karawanen brachten mir von einer Insel goldhaltige Salben, die die Haut über dem Fleisch wieder flicken. Also tat ich bis zu dem Tag, da ich einsah, daß sie auf ihren Gestank Wert legten, wie auf einen seltenen Schatz, denn ich hatte sie dabei ertappt, wie sie ihre Wunden kratzten und mit Mist befeuchteten, so wie einer das Erdreich düngt, um ihm die purpurne Blume zu entreißen. Stolz zeigten sie einander ihre Fäulnis und brüsteten sich mit den empfangenen Almosen, denn wer am meisten von ihnen einnahm, der kam sich vor wie der Oberpriester, der das schönste Götterbild zur Schau stellt. Wenn sie sich herbeiließen, meinen Arzt zu Rate zu ziehen, so geschah es in der Hoffnung, ihre Geschwüre würden ihn staunen machen durch ihren Pestgeruch und ihre Fülle. Und sie schwenkten ihre Stümpfe, um ihren Platz in der Welt zu behaupten. So nahmen sie die Pflege wie eine Huldigung entgegen und hielten ihre Glieder den Waschungen hin, die ihnen schmeichelten. Doch kaum war ihr Übel getilgt, da entdeckten sie ihre Unwichtigkeit, weil sie nun nichts mehr aus sich nährten; sie kamen sich wie überflüssig vor und widmeten sich fortan dem Wiedererwecken jenes Geschwürs, das von ihnen lebte. Und sobald sie sich durch ihre Leiden wieder herausgeputzt hatten, zogen sie abermals, eitel und prahlerisch, den Napf in der Hand, auf der Karawanenstrasse dahin, und forderten im Namen ihrer unreinen Götter Tribut von den Reisenden.“

    Von wegen „kleiner Prinz“…! 😀

    Vergleiche Ayn Rand: „Wie habe ich es gesagt?“ – „Wie eine Händlerin, die für das, was sie will, bezahlt. Sie sagen es wie Bettler, die eine Blechschale für das Zeichen eines Anspruches halten.“ („Der Streik“, Teil I, Kapitel 9)

  3. Liebe Susanne,
    Ich habe Deine ersten Gespräche wie immer mit großer Freude gelesen. Ich freue mich schon auf die nächsten.
    Freiheit? Ist es das, was mehr als 50.000 Eurokraten und mindest ebenso viele Bürokraten in Bund und Ländern versuchen jeden Tag im Minutentakt durch neue Gesetze, Verordnungen, Durchführungserlasse in ein immer engeres Korsett zu zwängen?
    Oder ist es Freiheit in ein teures Restaurant zu gehen und wenn die Rechnung kommt, lächelnd auf den Herrn am Nachbartisch zu deuten, daß er die Rechnung bezahlen wird?
    Oder ist es das was die meisten Menschen nicht mehr zu schätzen wissen, weil sie die Gleichheit vorziehen?
    Es ist unfassbar, daß der wichtigste Wert einer Gesellschaft so ins Abseits geraten ist.

  4. Pingback: Dritter Teil: Ein Mann – Ein Wort! – Ein Gespräch zwischen Vater und Tochter über die Freiheit und den Frieden

  5. Mag sein, daß es so einen Vater und so eine Tochter gibt. Mir persönlich reichern allerdings weitaus kürzere Sätze statt Verschachtelungen.

    Mit der Form bin ich über den Charakter von Robin Hood nicht einverstanden. Schließlich hat er sich das Geld von den Steuereintreibern des Gewaltmonopols geholt. Das ist für mich kein Diebstahl, es kann niemals Diebstahl sein einem Dieb das Geklaute wieder zu entwenden. Was man Robin vorwerfen kann, ist, daß er das Geld a) teilweise selber behalten b) dafür verwandt hat einen anderen Gewaltmonopolisten frei zu kaufen.

    In diesem Licht gesehen hat Robin gehandelt wie jeder Linke. Nämlich die einen berauben um etwas anderes zu bekommen, wo man selber auf einmal in die Lager versetzt wird oder so tut als ob man ein Anrecht auf die Leistungen andere hat. Wer die Geschichte kennt, weiß das der „Geächtete“ auf einmal als Träger der Regierung des ach so „weisen und gerechten Richards“ gilt. Was nur zeigt, ein Ausbeutersystem wird meist durch ein etwas anderes „ersetzt“.

    Gerade heute kann man da auf Mises.de lesen:
    http://www.misesde.org/?p=6188

  6. Obwohl mir das Lesen dieser Reihe sehr viel zu bringen scheint, weil es mehr über eine Wirtschaftstheorie erklärt, als ich je anderen Orts gelesen habe, ist die Einordnung in die Realität kaum zu vollziehen. So wie jede Theorie hat auch die beschriebene ihre erheblichen Schwächen. Realität ist, und da stimme ich voll zu, dass Armut nicht durch die Politik zu beseitigen sein wird. Genau so werden uns die Heilsversprechen nicht dazu verleiten, uns an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen, in dem wir nun stecken. Doch ich bezweifele, dass dies überhaupt möglich ist.
    Eine dem Menschen in die Wiege gelegte Eigenschaft – der Egoismus – verhindert letztlich das gedeihliche Nebeneinader von Kapital und Arbeit. Den Gutmenschen gibt es weder auf der einen noch auf der anderen Seite und Gerechtigkeit ist für jeden etwas anderes. Es ist gerecht, dass Unternehmertum belohnt werden soll. Es ist jedoch ungerecht, wenn dieses Unternehmertum nur dann eine Rechtfertigung erfährt, wenn es Arbeit krass unterbewertet. Freiheit ergäbe sich erst wieder, wenn der Unternehmer niemand mehr fände, der seine Arbeit für diesen Preis verrichtet.
    An uns ist es zu entscheiden, wie wir miteinander leben wollen. An uns ist es, einen Weg zu finden, der uns verbindet und nicht durch persönlichen Egoismus trennt. Demokratie ist, nicht auf fadenscheinige Angebote zu vertrauen, vermeintliche Geschenke zurück zu weisen und Forderungen an die Politik zu stellen und gemeinschaftlich auf Lieferung zu bestehen.

  7. Dia Analogie Ayn Rands bezüglich: „Robin Hood = Startup des Sozialismus“ hinkt, wie bereits oben schon kritisiert, nicht zuletzt deshalb, weil einen Dieb zu bestehlen (z.B. den Staat, eine gebailoutete Geschäftsbank….) doch wohl bitte ehrenwert ist, jedoch einen Menschen zu berauben dessen Wohlstand auf ehrlichem Mehrwert beruhte (ehrlich ist heutzutage eben nicht gleichbedeutend mit legal – siehe Geldsystem – die Definition „ehrlich“ geht wäre hier zu ergänzen) ist Frevel – ganz im Sinne Ihres Zitats aus Ayn Rands STREIK „Geld als moralisches Barometer einer Gesellschaft….. . Leider ist bei den meisten Menschen hängen geblieben: alle Reichen = Wohlhabende beklauen sei moralisch und weil Wohlstand beruhe auf Ausbeutung = Klauen. Und leider halten die Jungs von Goldman Sachs das Geschacher um Gelder aus der EU (D) für Nationen wie Griechenland (sich selbst) deren Beitritt sie erschummelt haben für die Generierung von legalem (= ehrlichem ?) Mehrwert. Ist doch verrückt wie relativ alles ist und alle handeln aus Ihrer Sicht auch noch moralisch ! Menno !!

  8. Hallo „ageo“,
    ich denke, dass es Ayn Rand in ihrer Beschreibung um den Mythos an sich ging und weniger darum, zwischen „gerechtfertigtem“ und „ungerechtfertigtem“ Diebstahl zu unterscheiden. Ich interpretiere es so, dass sie, wenn sie es folgendermaßen beschreibt: „Er gilt als der erste Mann, der sich den Heiligenschein der Tugend verdiente, indem er mit Reichtümern, die ihm nicht gehörten, zum Wohltäter wurde, Güter verschenkte, die er nicht produziert hatte, und andere für den Luxus seines Mitleids zahlen ließ“. Dies ist genau die Beschreibung, die sehr gut zum Staatswesen passt. Und wie wollen Sie eine gebailoutete Geschäftsbank bestehlen? Sie holen sich im Prinzip ja nur ihr Eigentum zurück.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s