Das Manifest der Pestkröten

Mark Twain sagte einmal, dass immer, wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, es Zeit ist, sich zu besinnen. Dummerweise sind sehr viele Menschen der Überzeugung, dass eine Meinung nur dann gut und richtig ist, wenn möglichst viele sie teilen und sie im allerbesten Fall von jenen unterstützt wird, die das Gütesiegel des Experten idealerweise veredelt mit einem Doktor- oder gar mit einem Professoren-Titel vor sich hertragen.

Besonders willkommen sind Mehrheits-Meinungen auch dann, wenn sie von Menschen stammen, die aus zwar unerklärlichen Gründen zu politischem Ruhm gelangt sind, diese Gründe auf Dauer aber niemand mehr ernsthaft hinterfragt, sondern deren vermeintliche Kompetenz nun einfach vorausgesetzt wird.

Das Phänomen, das man erlebt, wenn politische und/oder ökonomische „Koryphäen“ in Frage gestellt werden, ist erstaunlich. Es ist keinesfalls so, dass Menschen wohlwollend reagieren, wenn man „Experten“ auf den Zahn fühlt – nein, es ist viel eher so, dass man zum Aussätzigen, zum Schandmaul mutiert, wenn man die Chuzpe besitzt, das Establishment und deren wunderliche Entscheidungen als fatale Fehler identifiziert.

Sie können die katastrophalen Anmaßungen der „Eliten“ auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung auch noch so fachmännisch argumentieren, Sie können die Ausbeutung auf Kosten der Menschen noch so haargenau unter Beweis stellen – kaum jemand wird Ihnen nur wenige aufrechte Minuten Zeit schenken, wenn Sie nicht die Meinung der Mehrheit teilen. Eine Meinung der Mehrheit, die in unseren modernen Zeiten durch die Medien nicht nur „gemacht“ wird sondern jegliche Infragestellung mit der Ausgrenzung aus Gemeinschaften bestraft wird.

Diese Erfahrung müssen alle machen, die sich kritisch mit (gemachten!?) Mehrheitsmeinungen auseinandersetzen. Entweder sind dies Menschen, die wirtschaftlich unabhängig sind oder es sind diese bewundernswerten Persönlichkeiten, die absolut aufrecht und mit durchgedrücktem Rücken, auch unter Inkaufnahme aller möglichen Nachteile, ohne finanzielle Krücken und doppeltem Netz für ihre Überzeugungen einstehen.

Einige wenige hat es immer in der Geschichte unserer Welt gegeben, die zu den Aufrechten zählten und sie hatten meist erst – wenn überhaupt – nach ihrem Tod einen akzeptablen Stand. Fast immer waren sie allein, ein wenig eben die „Verrückten“, die man nicht ernst nehmen konnte und sollte. Leider waren es immer die, die am Ende Recht behielten und der Welt viel Elend erspart geblieben wäre, hätte man auf sie gehört.

Schauen Sie sich an, was derzeit rund um den Erdball mit uns geschieht!  Schauen Sie genau hin, denn es werden im historischen Rückblick bemerkenswerte Zeiten sein. Zeiten, von denen wir dachten, dass sie entweder nach den gemachten Erfahrungen für alle Ewigkeiten vorbei sein würden oder dass sie Ländern vorbehalten sind, von denen wir uns mit aller Empörung abwenden.

Es ist allerdings erschreckenderweise für den sehenden Menschen nicht mehr länger zu leugnen, dass wir uns den Verhältnissen diktatorischer und menschenverachtender Systeme immer stärker annähern. Die Diktatur der Pestkröten hält Einzug in unser aller Leben und noch sind viele zu dekadent, um die Zeichen an der Wand lesen zu wollen.

Als der Euro eingeführt wurde, gab es diese Stimmen, die vor den Folgen warnten. Es gab sie lange bevor die breite Öffentlichkeit vom „Euro“ überhaupt etwas gehört hatte, geschweige denn mit diesem konfrontiert wurde. Es gab die Stimmen, die der Kunstwährung von Beginn an ein instabiles Fundament bescheinigten. Es gab die Stimmen, die anmahnten, dass die Schaffung einer Währung  für Europa nach „Vorbild“ des US-Dollars scheitern müsse, da „vergessen“ würde, dass die USA fast zwei Jahrhunderte brauchten, um den Dollar von einer klar definierten Menge an Edelmetall in eine durch nichts gedeckte Fiatgeld-Banknote zu verwandeln. Sie legten dar, dass der US-Dollar grundsätzlich vollkommen ungeeignet sei, als Vorbild zu dienen, da nur die vor vielen Jahrzehnten willkürliche Festlegung als Weltleitwährung längst zur Farce geworden sei und der US-Dollar in massivem Umfang an Wert verloren hätte.

Nun – es half alles nichts – das Projekt wurde durchgepeitscht – und mit ihm diese unsägliche Ansammlung historisch einmaliger Verletzungen von Rechtsbrüchen, einer Sprachhygiene, die ihresgleichen sucht, einer massiven Entwertung der Kaufkraft, einem Genderirrsinn, der an Idiotie kaum noch zu überbieten ist, einer Pestkröten-Bürokratie in Brüssel, die sich am Vermögen der arbeitenden Bevölkerung schamlos bedient und einer Medienlandschaft, die in weitesten Teilen nur noch als Lakaien der Möchtegern-Weltherrscher auffällig wird.

Was hat sich für die Menschen seit Einführung des Euros wirklich verbessert? Was hat uns dieser Bürokraten-Sumpf in Brüssel an Mehrwert gebracht? Wofür brauchen wir überhaupt noch eine Bundesregierung, die sich selbstverständlich das Salär eines Bundesrichters gönnt, wenn über 80 Prozent der Vorschriften nur noch vom Großen Bruder stammt?

Nahezu die ganze Weltwirtschaft wird durch Manipulation am Leben gehalten, die massive Falschgeldmengenausweitung stürzt die Menschen in ein finanzielles und persönliches Desaster – möglich gemacht durch Milliarden von gedruckten Dollars, Yens und Euros, welches die Regierungen „Geld“ nennen. Der Großteil des Wachstums der letzten hundert Jahren und vor allem in den Jahren seit 1971 basiert auf einem unhaltbaren Wachstum der Kreditniveaus.

Sobald den Menschen gewahr wird, welchem Teufel sie huldigen, werden sie einen härteren Abschwung erleben, als sie das jemals für möglich gehalten hätten. Die schwache, derzeit ins Feld geführte Deflation ist nur ein Vorbote der kommenden massiven Inflation. Alle anderen Meldungen sind Augenwischerei und dienen einzig und allein dem Gewinnen von Zeit.

Ja, und dann schreien sie wieder auf, die Experten! Wie man so etwas überhaupt sagen könnte, alles Unsinn, nur Schwarzmalerei, die Notenbanker müssen noch viel massiver intervenieren, blablabla!

Machen Sie die Augen weit auf, wenn der Tag der Abrechnung gekommen ist. Beobachten Sie genau, wer alles von diesen Herrschaften behaupten wird, „man habe es schon immer gewusst!“ Und zählen Sie die Kreaturen genau nach, die vor ihrer Rache in Deckung gehen, die Feigling, die heute auf Ihre Kosten deren übergroßes Ego pflegen.

Der kommende hyperinflationäre Abschwung und die wahrscheinlich damit verbundene Kredit- und Kapitalimplosion werden möglicherweise das Ende einer 200-jährigen Epoche des Wachstums in der westlichen Welt markieren. Aber lassen Sie sich bloß nicht irritieren – die Experten legen die Mehrheitsmeinung fest und die ist eben der Überzeugung, dass alles schon nicht so dramatisch werden wird.

Und für ihren Teil werden sie Recht behalten – alle Herrscher-Pestkröten sind niemals als verarmte Menschen gestorben – das haben sie denen überlassen, die an sie geglaubt haben.

Bildquelle: Rainer Sturm / pixelio.de

17 Gedanken zu „Das Manifest der Pestkröten

  1. Ebenso sicher ist, dass auch die neuen Herrscher zu Pestkröten mutieren werden, von daher empfiehlt es sich, die stoische Gelassenheit einzuüben:

    Die Stoa wurde begründet von Zenon von Kition um 300 vor Christus. Bekannteste Vertreter sind Cicero, Seneca und Mark Aurel. Die Grundlage der Stoiker ist: Mein Glück sollte nicht abhängig sein von etwas was nicht in meiner Macht liegt. Zweite Grundlage ist: Es ist wichtig seine Pflicht zu tun.
    Aus diesen beiden Grundregeln ergibt sich die stoische Gelassenheit oder die stoische Lebenseinstellung. Der erste Schritt der stoischen Lebenseinstellung heißt: Mein Glück sollte nicht abhängig sein von dem, was nicht in meiner Macht ist.

    Was ist in meiner Macht, was ist nicht in meiner Macht? In meiner Macht ist letztendlich der eigene Gemütszustand, bis zu einem gewissen Grad jedenfalls. Du hast Einfluss auf Deinen Gemütszustand, Du kannst Dich mehr in Ruhe versetzen, Du kannst Dich mehr in Unruhe versetzen. Du kannst Dich aufregen oder Du kannst Dich nicht aufregen.

  2. Lassen Sie mich mal nachschauen. Von Mises hat ungefähr 50 Jahre dagegen angeschrieben, und nur im Nachhinein zeigt es sich wie recht er hatte. Es ist sowieso auf morbide Weise faszinierend wie die Österreicher insgesamt gesehen die Einzigen sind, die ein stringente Erklärung für das ganze Drum und Dran haben. Komischerweise war ich schon bevor ich von Mises wirklich kennen lernte zu Schlüssen gekommen die dieser in seinen Büchern so unglaublich gut niedergeschrieben hatte.

    Ich persönlich halt insgesamt den Euro gerade derzeit aber für Länder wie Griechenland für die „bessere“ Fiat-Währung. Denn man muß ganz klar sehen, gäbe es die Neu-Drachme (mit Sicherheit auch wieder ein Fiat-Geld) dann würden sich die Regierenden alleine aus der Krise drucken wollen. 10 – 50 % Preissteigerung sind dann nur ein „kl“ Kollateralschaden.

    Es ändert natürlich nichts daran, daß der Euro untergehen wird, und zwar wird es sicher keine paar Jahrhunderte mehr Dauern, mit der EU wird auch der EUR „gehen“.

    Solange wir aber immer wieder bei Zahlungsmitteln enden, statt bei Geld und solange Teilreserve der Gang der Dinge ist, wird es keine Änderung geben. Das ist ja das frustrierende, man weiß eine besser Alternative aber bei den Regierenden, wird das schlicht und einfach abgelehnt. Nichtd lieben sie halt mehr als manipulieren, und vorgaukeln es gibt mehr zu verteilen als man wirklich hat. Was Ausgaben angeht gibt es anscheinend das Wort „nein“ nicht

  3. @ Momo
    da ich das Weltgeschehen nicht ändern kann, bin ich ruhig und ziehe mich zurück, soweit es geht. Was ist meine Pflicht??
    Andere zu überzeugen habe ich aufgegeben, Ehrenamt wird ausgenutzt und sorgt dafür, dass der große Knall weiter in die Zukunft gereicht wird, Arbeit gibt es nicht mehr für mich. Persönliche Integrität? Ja! Aber wer außer mir selber interessiert sich dafür? Ich bin stoisch ratlos.

  4. Es ist nicht die Mehrheit der Bevölkerung, sondern die Mehrheit der politischen Eliten, der Experten, der Medienleute – derjenigen, die die höheren Bildungseinrichtungen resp. Universitäten durchlaufen oder mit diesen engeren Kontakt hatten. Zusammen mit den reinen Mitläufern und Profiteuren (den vom Staat Angestellten und den von Subventionen Profitierenden) schätze ich diese Schicht auf etwa 25-30% der Bevölkerung.

    Sie wissen, dass sie Politik gegen eine etwa 70% starke Gruppe betreiben und somit nur schwach legitimiert sind. Sie weinen mimosenhaft über den „Pöbel“, der sie in Briefen und Mails mit deutlichen, zuweilen vielleicht einmal groben Worten „menschenverachtend beleidigt“ und verlangen Gesetze gegen „Hassverbrechen“, sie jammern über den „Stammtisch“, der unzensiert und ungehemmt das Verbotene ausspricht, und über die „Populisten“, die, wie ihr Name sagt, auszusprechen wagen, was eine Mehrheit im Volk denkt.

    Daher die panische Angst vor Schweizer Verhältnissen: Wo kämen wir hin, wenn das Volk über seine Geschicke einfach so abstimmen dürfte! Es wäre ihr Ende – und das sehen sie wahrscheinlich richtig! Daher muss die Freiheit ausreichen, einmal alle vier Jahre unter Pest und Cholera das „pragmatisch gesehen kleinere Übel“ auszuwählen. Was darüber hinausgeht, ist von Übel!

    Es sind die gesellschaftlichen Subsysteme „Wissenschaft“ / „Wirtschaftsexperten“ / „politische Entscheidungsträger“, die kaputt sind – ausser Kontrolle geraten sind, aber gleichwohl noch von dem Vertrauen profitieren, das sie aus Zeiten geerbt haben, in denen sie als teilweise autonomes System noch funktionierten. (*Wenn* sie funktionieren würden, wäre es ja auch in Ordnung, dass es besonderer Anstrengung und Energie bedürfte, eine abweichende Ansicht zur Geltung zu bringen.)

    Ich bin mir nicht besonders sicher – aber einige Angriffspunkte, um diese Verhältnisse zu ändern, könnten sein:

    – Kippen der „5%-Hürde“ aus dem Wahlgesetz. So dass man nicht Angst haben muss, seine Stimme zu verschenken, sondern Parteien wirklich nach seinem Gewissen wählen kann – nicht ständig faule Kompromisse machen muss.

    – Sich für bundesweite Volksentscheide einsetzen, wie sie das Grundgesetz 20(2) vorsieht.

  5. „Das Manifest der Pestkröten“

    Allein die Überschrift, Susanne Kablitz, verursachte mein Entzücken!
    Den nachfolgenden Artikel betrachte ich als zusätzliches Geschenk.
    Indessen, wäre es möglich, dass besagte Pestkröten zu Pestbeulen umdeklariert werden?
    Letztere lassen sich aufschneiden oder platzen günstigerweise von selbst, was dem betroffenen Patienten Heilung verschafft.

  6. Auf diesem Planeten passiert Nix was nicht auch passieren muss. Die Menschheit muss da durch durch diesen nuklearen und monetären Flaschenhals. Je größer der Knall, umso größer der Schrecken. Der Ausgang des Crash´s ist ungewiss aber die Eliten basteln fleissig an einem feudalen Leben danach. Der NSA ist der beste Beweis dafür.
    Aber ob es schlimmer wird wie die angedeuteten 200 Jahre sei einmal
    dahingestellt. Eine epochale Veränderung wäre vielleicht noch das Beste was uns bevorstehen könnte. Aber die Umstellung vom Jäger und Sammler zum Ackerbauern und Viehzüchter verlief sicherlich auch nicht linear, global und zeitlich kompakt.
    http://www.krisen-info-netzwerk.com/downloads/Was_erwartet_uns-Eine_Reise_durch_die_Zeit.pdf
    Aber das wir es uns ausgesucht haben, in dieser aufregenden Zeit zu leben, finde ich gelinde ausgedrückt, sehr spannend. Auch wenn es manchmal weh tut.
    http://www.sein.de/spiritualitaet/ganzheitliches-wissen/2014/der-schmerz-und-die-freude-den-grossen-traum-zu-fuehlen.html
    Auch die Pestkröten spielen nur ihre kleine Rolle in dem Großen Ganzen.

  7. an Emorfine:
    Frau Kablitz ist bereits „Jenseits der Illusionsbedürftigkeit“ und dank ihrer tollen Beiträge werden es immer mehr Menschen, die dies auch sind. Neuerdings spricht aus ihren Texten eine tiefe Traurigkeit (früher waren es auch viel Wut und Spott), die ich auch empfinde. Wir haben nun genügend Zeit gehabt, das Unabwendbare zu sehen und zu akzeptieren und was jetzt? Natürlich klären wir weiter da auf, wo es uns wirklich wichtig ist, wir müssen aber auch die Gefahr sehen, sich an einer Massenaufwiegelung zu beteiligen, die an ihrem bitteren Ende auch Gewalt einsetzen wird. Das ist nicht mein Weg, das habe ich für mich entschieden. Sie schreiben: „Arbeit gibt es nicht mehr für mich“. Wir im Handwerk haben genug Arbeit, nur keine fleißigen, ehrlichen, geschickten, integren und freundlichen Menschen, die diese schöpferische Arbeit verrichten wollen. Ein gut gelerntes Handwerk ist mehr Wert als ein großes Erbe.
    Und Sie schreiben: “ Ehrenamt wird ausgenutzt“. Vordergründig ja, im wahren Werte natürlich nicht. Alles, was wir selbstlos tun, kommt hundertfach zu uns zurück. Nichts ist vergeblich, im Gegenteil. Wir müssen nur wieder lernen, nach innen zu sehen, nicht nach außen.
    Innerlich sind und bleiben wir auch vollkommen frei, diese Freiheit kann uns nie und nirgends irgendjemand nehmen, genausowenig wie die Liebe, die wir alle in uns haben und die sich zeigen will.

    Nur wir selbst.

  8. Never cared for what they say
    Never cared for games they play
    Never cared for what they do
    Never cared for what they know
    Forever trust in who we are
    And nothing else matters
    [Metallica]

  9. Herr Plantiko,

    Ihre am Ende geäußerten Vorschläge signalisieren, daß Sie sich nach eben jenen Spielregeln zu richten bereit sind, die jene, gegen die Sie sich nun zu wenden vermeinen, erstellt worden sind, um ihre Machtinteressen zu schützen. Militärisch ausgedrückt, Sie überlassen dem Feind die Wahl des Schlachtfeldes, die Wahl der Waffen, und die Wahl des Zeitpunktes seines Angriffs.

    Und genau deshalb werden Sie, bzw. wird diese Denkweise, das Ruder mit den Mitteln der Regelhaftigkeit und der Vernunft herumreißen zu wollen, scheitern. Die Vernunft wird leider in ihrer Wirksamkeit als Druckmittel dramatisch überschätzt. Das Ausmaß der Macht des eigenen guten Willens und der allgemeinen Zivilisiertheit ebenfalls.

    Es ist das Wesen der Bürokratie als Staatsform, daß sie immer weiter wächst in dem bemphen mehr Maxcht und Kontrolle über die Untertanen zu erlangen. Und auch wenn jede Demokratie zwangsläufig in sozialistischer Planwirtschaft und sozialistischem Totalitarismus enden muß, und beide, Demokratie und Sozialismus, somit letztlich eines sind, so galt und gilt bis jetzt noch für jede Regierung, die nur hinlänglich lange sich an der Macht halten konnte, daß sie, daß das Establishmeent in jeder beliebigen Staatsform, in der sie existiert, stets und immer zunehmend zu einem feudalner, aristokratischen Selbstverständis mutiert, in dem die Macht de sstaates dazu benutzt werden darf, mit allen Mitteln die Hörigkeit der Untertanen gegenüber dieser neuen Aristokratie zu erzwingen.

    Traurige Tatsache ist, daß die deutliche Mehrheit der Bevölkerung sich auf ihre Untertanenmentalität und Selbsterniedrigung gegenüber dem Staat und seinen immer absoluteren Machtansprüchen über das einzelne Individuum auch noch etwas zugute hält, solange es nur gut gefüttert und gemästet wird – mit dem was zuvor aus seinen Taschen gestohlen wurde. Und mit wütender Hexenjagd wird jeder niedergemacht und immer unverschämter dämonisiert, der sich dieser kollektiven Selbstverleugnung verweigert. Die immer groteskere Debatte um sogenannte Steuerhinterzieher und die immer totalitärer werdenden Forderungen, es diesen asozialen Subjekten mal so richtig zu zeigen, bezeugt das recht imposant. Daß noch niemand die Idee mit Umerziehungslagern auszusprechen wagte, heißt nicht, daß es nicht bald wieder soweit sein könnte – die staatlich verordnete Gehirnwäsche hat immerhin in unseren deutschen Qualitätsmedien, in den öffentlichen Propaganda-Anstalten von ARD und ZDF, im gesamten Erziehungswesen von Schulen und Universitäten schon seit langem Hochkonjunktur. Und daß, obwohl niemand krimineller und asozialer und steuerverbrecherischer ist als das monopolisierte politische und regierungstechnische Establishment und die es belauernden Lobbyisten diverser Couleur.

    Freiheit kann nicht gegeben werden, das ist ein Widerspruch in sich. Sie kann auch nicht durch einen Kompromiß ausgehandelt werden, das ist eine Einschränkung. Sie kann nur genommen werden – „no matter what.“ Aber noch die meisten Menschen schrecken vor der unversöhnlichen Konsequenzhaftigkeit dieser Aussage zurück, aus Angst vor den Folgen , aus Bequemlichkeit, oder aus mangelndem Verständnis, daß es nicht um ein Bisserl Flickschusterei an einem leicht lädierten System oder um ein paar Reförmchen am Banken- und Wirtschaftssystem geht, sondern um Freiheit. Alles, was wir an Drama und Krise und Zusammenbruch heute erleben, resultiert aus dem Zustand der Unfreiheit, in dem die Menschen sich auf vielerlei Ebenen befinden, und dem andauernden Bemühen der Mächtigen, die Unfreiheit kontinuierlich – und zynischerweise im Namen von „Freiheit“ und „Gerechtigkeit“ – weiter auszubauen.

    Mit Volksentscheiden und einer kostbaren Stimmenabgabe bei irgendeiner nichtssagenden Wahl, kommen wir wohl nicht wirklich weiter, da es zusätzlich erschwerend noch weitere Verwicklungen gibt, auf die ich aber in Kommentaren zu anderen Einträgen und auf die Frau Kablitz in ihren Leitartikeln schon zu früheren Zeitpunkten hingewiesen haben, weshalb ich das jetzt nicht alles explizit wiederholen werde.

    Diese neueren medialen Beiträge sind mir unlängst aufgefallen, sie berühren die hier geschilderte Thematik am Rande:

    http://www.welt.de/debatte/henryk-m-broder/article124707777/Von-Steuern-ist-in-den-Zehn-Geboten-keine-Rede.html#disqus_thread

    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/die_schweiz_beinah_ein_paradies

    Mit freundlichen Grüßen,

  10. @ Momo, Ihre Antwort ist gut, sehe ich genauso. Nur: „Wir im Handwerk haben genug Arbeit, nur keine fleißigen, ehrlichen, geschickten, integren und freundlichen Menschen, die diese schöpferische Arbeit verrichten wollen.“ das Stimmt NICHT !!!!!!!! Bekomme ich von Ihnen einen menschenwürdigen Lohn oder meinen Sie ich soll umsonst bei Ihnen arbeiten? Nicht in jedem Lebensentwurf steht die Selbständigkeit, bitte sehen Sie nicht nur darin eine gute Lösung. Fragen Sie mal das Jobcenter, was mit Menschen passiert, die ehrenamtlich tätig sind. Manche werden schlicht daraus entfernt. Zur Freiheit: ich mache mit Menschen in meiner Freizeit Musiktherapie – umsonst – mein Beitrag zur Gesundung oder Hilfe einzelner, und deshalb bin ich frei, auch wenn die Sache mit dem Essen und Wohnen sich schwierig gestalten könnte. Es geht immer weiter. Die Menschen, die notgedrungen wieder näher zusammenrücken müssen, stellen fest, dass es wieder eine Gemeinschaft gibt, und das ist gut.

  11. an Emorfine:
    Bitte gehen Sie mal zur Arbeitsagentur und fragen Sie nach freien Stellen im Handwerk. Vom Bäcker über den Metzger bis zum Dachdecker werden Sie mit offenen Stellen überschwemmt. Wir zahlen nach Tarif und unsere Mitarbeiter haben sogar Familien
    und teils Eigentum erwirtschaftet. Da arbeiten, wo Mangel herrscht, das gilt übrigens sogar für Spanien.

  12. Liebe Frau Kablitz, ein meisterhaftes Essay!
    Interessant, dass gerade in den sogenannten Demokratien – bei denen das Element der physischen Gewalt zur „Thronbesteigung“ herausentwickelt wurde – diejenigen mit den geringsten Führungsqualitäten für Regierungsämter begünstigt scheinen.
    War dies ein Hauptziel der Demokratie?
    Herzliche Grüße.

  13. @Alphachamber,

    „Interessant, dass gerade in den sogenannten Demokratien (…) diejenigen mit den geringsten Führungsqualitäten für Regierungsämter begünstigt scheinen.“

    Weniger interessant als vielmehr folgerichtig, würde ich sagen!

    “ – bei denen das Element der physischen Gewalt zur “Thronbesteigung” herausentwickelt wurde –“

    Dafür kommen heute andere Formen der Gewalt zur Anwendung, von Gesinnungsterror über erziehungstechnische Gehirnwäsche Medienmanipulation bis hin zu Rufmord. Die physische Gewalt hat den Vorteil, daß man sie leichter erkennt. Das Böse mit der blutenden Axt in der Hand läßt sich leichter benennen, als wenn es mit lächelndem Gesicht und begeisternder Rede daher kommt.

    „War dies ein Hauptziel der Demokratie?“

    Sagen wir es mal so: über zweitausend Jahre lang war man sich der Gefahren der Demokratie zumeist bewußt, und warnte daher vor ihr. Die Liebe zu und Gehorsam gegenüber diesem Gott, der doch keiner ist, ist eine durchaus neumodische Erscheinung – die jedoch manchem Selbstbediener – egal ob es um Macht oder um Umverteilung geht – sehr gelegen kommt. Den Nachweis ihrer moralischen oder praktischen Überlegenheit gegenüber historischen Vorgängermodellen betrachte ich als nicht erbracht. Der Blutzoll, den das Demokratiemodell in der Welt verursacht, ist historisch betrachtet vergleichbar hoch wie der totalitärer Diktaturen, nur das man fein genug geworden ist, nicht mehr selber zu töten, sondern töten zu lassen. Der – vergängliche, wie wir inzwischen ahnen – Reichtum der westlichen Welt, ist nicht wegen der Demokratie sondern trotz ihr entstanden, und hat andere Ursachen.

    🙂

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