Die Verratenen – oder der Traum vom Eigenheim

Ich hoffe, dass ich mich in Bezug auf das, was ich in finanzieller Hinsicht auf die meisten Menschen zukommen sehe, irre. Ich hoffe, dass ich mich täusche, wenn ich bezweifle, dass der Staat seinen Worten Taten folgen lässt, wenn er nach wie vor verspricht, für seine ihm Anvertrauten zu sorgen. Ich wünsche mir, dass ich zu Recht als „Schwarzseherin“ und „Miesmacherin“ bezeichnete werde, wenn ich es als höchst gefährlich ansehe, dass trotz stetig steigender Steuereinnahmen die Verschuldung immer weiter in beunruhigender Weise wächst.

Ich bete, dass ich Unrecht habe, wenn ich behaupte, dass zu 100 % finanzierte Eigenheime ein extremes Risiko darstellen. Noch mehr bete ich, dass das finanzierte Eigenheim für die Menschen tatsächlich im Rückblick ihre beste „Kapitalanlage“ war. Ich hoffe, dass Menschen, die ihr Geld Banken anvertrauen, nicht eines Tages mit der bitteren Erkenntnis konfrontiert werden, dass sie mit leeren Händen dastehen. Ich wünsche mir, dass die Altersvorsorge über eine klassische Lebensversicherung ihrem Zweck gerecht wird.

Ich hoffe, dass Menschen darin Befriedigung finden, mit einem gerade so ausreichenden Einkommen für ihre Familien zu sorgen. Ich hoffe, dass die Menschen trotzdem glücklich sind, auch wenn sie ihr Leben im Laufrad verbringen, in der ständigen Angst vor einem sozialen Abstieg.

All dies hoffe ich, wünsche es mir und bete es herbei – glauben daran tue ich nicht!

Allerdings scheine ich, von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen, mit meinem Unbehagen ziemlich alleine dazustehen. Als vor ein paar Tagen der Leitzins auf 0,5 % herabgesetzt wurde, stürzten sich die Börsen in wilde Ekstasen und in meinem Umfeld jubelten die , die sich für ihr vollkommen überteuertes Haus in grüner Lage – also da, wo in 20 Jahren keiner mehr wohnen will, weil der Sprit für die Hin- und Her-Gurkerei zwischen idyllischem Eigenheim und Arbeitsplatz viel zu kostspielig geworden ist – nun endlich noch billiger verschulden können.

Die Bank „meines Vertrauens“ teilte mir dann auch auf Anfrage mit, dass sie damit rechnen, dass die Kreditnachfrage wieder einmal deutlich zunehmen wird. Ein Kredit, der inzwischen für deutlich unter 4 % p.a. zu haben ist, da ist man ja doof, wenn man hier nicht zuschlägt. Zur Miete wohnen? So´n Quatsch, bei den billigen Zinsen ist es viel cleverer, wenn man ein Eigenheim finanziert und Vermögenswerte schafft.

Nun gut, „schaffen wir Vermögenswerte“  und rechnen nach.

Bei einem Kaufpreis von 210.000 €, einer monatlichen Tilgungsrate von 798 € (1 % Tilgung – was übrigens viel zu wenig ist) und einem effektiven Zinssatz von 3,62 % p.a. kommt man zu dem Ergebnis, dass in 42,5 Jahren aus dem Darlehensnehmer ein Eigentümer geworden ist. Der Gesamtaufwand, also der eigentliche Wert des „Eigenheims“ zu Beginn des Darlehens und des tatsächlich geleisteten Gesamtaufwandes beträgt mit Zinsen 408.748,09 €. Die geleisteten Zinsen belaufen sich auf 198.748,09 €, was fast dem eigentlichen Anschaffungswert entspricht. Irgendwie habe ich hier noch nicht das Gefühl, Vermögen geschaffen zu haben, aber vielleicht kommt das ja noch…

Nun werden die niedrigen Zinsen nicht ewig so niedrig bleiben. Bei uns werden die Zinsen zwar nicht in gleicher Form so flexibel dem Markt angepasst wie dies in anderen Ländern der Fall ist, eine Zinsveränderung nach 10 oder 15 Jahren wird für viele jedoch trotzdem der Supergau sein. Ein Darlehen von 210.000 €, das für zehn Jahre zu einem Zinssatz von 3,62 % abgeschlossen wird, kostet im Monat 798 €, liegt der Zinssatz in 10 Jahren bei 6,5  %, dann kostet das Darlehensschätzchen bereits 1.150 € pro Monat, obwohl bereits rund 26.000 € an Zins und Tilgung geleistet wurden.

Die Laufzeit des Darlehens verändert sich überhaupt nicht, die knapp 43 Jahre werden einem bis zum Schluss gegönnt! Womit auf einmal 357 € an höherer Belastung im Monat finanziert werden sollen, obliegt vollständig dem Erfindungsreichtum des Vermögensschaffenden.

6,5 % Zinsen pro Jahr kosten den Kreditnehmer nun auf die Restlaufzeit von gut 31 Jahren nochmals rund 246.028 Euro, so dass die  Ursprungsfinanzierung von 210.000 € (und auch der eigentliche Wert der Immobilie) zu einer Gesamtbelastung von 538.608,43 € führt.

Die Wertsteigerung, die einer solchen „Geldanlage“ widerfahren müsste liegt bei 2,24 % pro Jahr, die aber (wenn überhaupt) nur dann realistisch ist, wenn regelmäßige Reparaturen und Modernisierungen durchgeführt werden. Das heutige Traumhaus ist sonst in 40 Jahren „kalter Kaffee“, das dem Eigentümer niemand ohne enormen Wertverlust abkaufen wird.

Modernisierungen jedoch kosten wieder Geld. Dies kann man im Moment ganz herrlich beobachten, man denke nur an unsere Energiewende.  Diese Mehraufwendungen sind in unserem Modell noch gar nicht berücksichtigt; hier wird nur die im Jahr 2013 finanzierte Hütte über Jahrzehnte abbezahlt. Die Vermeidung eines Verfalls muss extra finanziert werden!

In diesem Modell hat der Vermögensschaffende also „sein Haus“ 2,56-fach abbezahlt. Ich erkenne den Vermögenswert nun erst recht nicht mehr – es sei denn, wir drehen den Fall um und identifizieren den echten Nutznießer. Die Bank sagt die Wahrheit, wenn sie von „Ihrem“ Haus als Vermögenswert spricht, sie vergisst nur zu sagen, wessen Vermögenswert es ist.

Den Preis für die Schaffung von Vermögenswerten für Banken und Institutionen zahlt der Darlehensnehmer und dieser Preis ist oftmals verflucht hoch. Mit der Unterschrift unter dem Kreditvertrag tritt der Darlehensnehmer in den meisten Fällen zudem auch noch das Recht ab, eine Meinung zu äußern, die dem Banker nicht in den Kram passt.

Ab sofort sitzt die Angst mit im Boot. Die Angst, die Raten nicht mehr zahlen zu können und sich mit einem jahrelangen Vollstreckungstitel jede Chance auf einen Neuanfang zu verbauen; die Angst, dass die Bank von ihrem vertraglich vereinbarten Sonderkündigungsrecht Gebrauch macht; die Angst, dass die Bank erhöhte Sicherheiten verlangt, weil der Wert der Immobilie „nachgegeben“  hat; die Angst, dass der Staat den gesetzlich legitimen Lastenausgleich aus dem Hut zaubert und eine Zwangshypothek eintragen lässt; die Angst, dass die Mitmenschen merken, dass man ein „Vollversager“ ist; die Angst, seinem Chef nicht mehr genehm zu sein und man diesem somit auf alle Tage hinaus ausgeliefert ist, weil man sonst nämlich nicht nur seinen Job verliert.

Vielen von uns wird von klein auf eingeredet, dass ein Eigenheim die wichtigste Anschaffung unseres Lebens ist. Es wird uns oftmals so lange eingeredet, bis wir selbst daran glauben – auch wenn uns der Druck zunehmend kaputt macht. Ist  es wirklich so erstrebenswert, sein ganzes Leben lang Schulden zu haben? Schulden, die vielen Menschen die Luft abschnüren und Investments in pures Lebensglück unmöglich machen?

Wie oft würden wir anders reagieren, anders reden, anders handeln, wenn wir weniger Verpflichtungen hätten? Wieso tun wir uns das an – wenn (und davon ist auszugehen) entweder die Kinder unsere Vermögenswerte gar nicht haben wollen oder – noch wahrscheinlicher – der Staat so unerbittlich Erbschaftssteuern erheben wird, dass sich ein Weiterreichen von Lebenswerken nicht mehr lohnen wird?

Die meisten Menschen arbeiten sich daran ab, um im Laufe ihres Lebens ein wenig Land, ein paar Steine und Wände und ein Dach darauf ihr Eigen zu nennen. Wir nennen das unser „Zuhause“. Für unser „Zuhause“ sind wir bereit, uns zu Leibeigenen von Banken zu machen. Ein „Zuhause“ sollte Sicherheit bieten, einem das Gefühl von Geborgenheit vermitteln – für viele ist es jedoch gleichbedeutend mit Sorgen, Stress und Erschöpfung, zumal wir Zeiten entgegengehen, die selbst für ausgemachte Optimisten enorme Herausforderungen bedeuten werden. Die Berufswelt wird sich in immer kürzeren Abständen verändern, die Wahrscheinlichkeit, dreissig Jahre im Voraus planen zu können, ist verschwindend gering geworden.

Und trotzdem sind die Menschen bei Immobilienfinanzierungen besonders zuversichtlich und glauben, dass ihnen in den nächsten Jahrzehnte nichts passieren wird, was ihr Leben durcheinanderwirbelt. Für die Banken ist diese Naivität ein blendendes Geschäft, sie profitieren immer, egal, was passiert. Entweder der Darlehensnehmer oder der Steuerzahler – einer zahlt auf jeden Fall.

Wenn man dann noch berücksichtigt, unter welchen Umständen die Banken das Geld schöpfen und dass wir mit echten Werten die Nichtwerte des Fiat-Money finanzieren, sollte einem die Lust aufs Schuldenmachen eigentlich glatt vergehen.

Jeder einzelne Kredit nährt dieses degenerierte System und solange wir über kein solides Geld verfügen, ist ausnahmslos jede Verschuldung ein Desaster.

31 Gedanken zu „Die Verratenen – oder der Traum vom Eigenheim

  1. Stimmt. Ich würde speziell den letzten Satz hervorheben (mit einer leichten Änderung)

    „Jeder einzelne Kredit nährt dieses degenerierte System und solange wir über kein solides Geld verfügen, ist ausnahmslos jede Verschuldung ein Desaster.“

    Hier würde ich trennen zwischen Konsumtenenkrediten und Krediten für Investitionen. Die Betrachtung eines Hauskaufs als „Investition“ ist leider vorherrschend. Man „schafft“ sich Vermögen. Stimmt aber nicht man ackert für die Banken und das Haus für 200 T€ kommt am Ende auf das Doppelte oder mehr. Die ganzen Zinsen werden Ihnen niemals „mitbezahlt“…

  2. Das mit der Unsicherheit, ob die Einkünfte der nächsten Jahrzehnte auch die Tilgung + Zinsen tragen können versteh ich. Was mir aber in der Berechnung fehlt, sind die Inflation und (mal den Unsicherheitsfaktor außen vor gelassen) die Einkommensteigerungen. Wieviel hat ein Haus eigtl. vor 43 Jahren gekostet?

  3. Prinzipiell ist das in Ordnung, was Sie schreiben, Frau Kablitz, insbesondere für eine 100%-Finanzierung. Dennoch gilt es zu bedenken:

    a) Kein vernünftiger Mensch finanziert zu 100% (und keine Bank macht das, wenn nicht außergewöhnlich günstige Vermögens-/Verdientsbedingungen vorliegen..

    b) Bei einem Eigenkapital zwischen 30 und 50% sieht die Sache ganz anders aus. Wenn Sie beispielsweise vor 3 Jahren in München eine Immobilie mit 50% Eigenkapital in guter Lage erworben haben, dann zahlt Ihnen der Mieter neben den Zinsen auch noch 5% Tilgung.(gilt auch pür die Miete bei Eigennutzeung).

    c) Sie versäumen in Ihrer Rechnung, die nicht gezahlte Miete gegenzurechnen. Das ist nicht fair.

    d) Sich über eine Immobilie zu verschulden, ohne sich zu übernehmen, ist für die Meisten die einzige Möglichkeit überhaupt an einen Kredit zur Vermögensbildung zu gelangen.

    e) Es macht auf Dauer sehr viel Sinn, ein eigenes Dach über dem Kopf zu haben. Insbesondere im Angesicht von Krisen und im Alter (oder von beidem, wenn es ganz schlecht läuft) .

    Herzliche Grüße
    Rüdiger Osswald

  4. Lieber Herr Osswald,

    vielen Dank für Ihre „Bedenkenspunkte“:-), auf die ich gerne eingehe.

    a) Grundsätzlich sollte dies so sein; leider zeigt die Realität ein anderes Bild. Es gibt zwar immer weniger Banken, die auch noch die Nebenkosten wie Notar, Grundbucheintrag und Makler mitfinanzieren, aber eine vollständige Finanzierung der Immobilie ist aus meiner Sicht nichts Ungewöhnliches. Selbstverständlich müssen in einem solchen Fall hervorragende Bonitätsbedingungen vorliegen. Bei meinem Beispiel galten die Konditionen für einen Darlehensnehmer mit bester Bonität, einem 1a-Darlehen und einem Beleihungsauslauf von 90 %. Aber Sie haben vollkommen Recht. „Vernünftige“ Menschen finanzieren nicht zu 100 %. Die Frage ist nur, wer neben der Finanzierung von Nebenkosten, die sich auf viele Tausend Euro belaufen, noch genügend Eigenkapital zusammensparen kann, um hier zu sinnvolleren Konditionen ein Darlehen aufzunehmen.

    b) Das stelle ich auch gar nicht in Frage und davon habe ich in meinem Artikel auch nicht geschrieben. Wer 30 % bis 50 % Eigenkapital besitzt und dazu noch eine Immobilie in guter Lage erwirbt, der kann nur sehr wenig falsch machen. Ich bezweifle nur, dass es sehr viele Menschen gibt, die sich in guter Lage in München eine Immobilie mit einem Eigenkapital von bis zu 50 % leisten können. Wenn Sie dann noch vermieten, sieht die Welt ganz anders aus, das ist dann eine sehr clevere Sache. In diesem Fall haben Sie ja auch eine Investition getätigt. Die Mietrendite bei eigen genutzten Immobilien sieht ein wenig anders aus, da Sie den zu zahlenden Zins berücksichtigen müssen.

    c) Sie haben recht:-), in einem Blog kommen manche Dinge leider zu kurz! Die nicht gezahlte Miete heisst jetzt nicht mehr Miete, sie heisst jetzt Zins. Die Miete sparen Sie nicht ein, die zahlen Sie jetzt als Zinsen an die Bank! Bei einem Zinssatz von 3,62 % p.a. und einer Laufzeit von knapp 43 Jahren könnten Sie allein für die gezahlten Zinsen fast 24 Jahre lang bei einer Miete von 700 € im Monat wohnen, bei einem Zinssatz von 6,5 % sind es schon 37 Jahre. Erst dann wohnen Sie Ihre Immobilie „ab“!

    d) Ein Kredit zur Vermögensbildung ist dann sinnvoll, wenn er auch der Vermögensbildung dient. Eine eigen genutzte Immobilie ist aber nie ein Vermögenswert, weil sie kein Vermögen abwirft sondern nur Geld kostet, selbst wenn der Kredit abgezahlt ist. Was defintiv eine Vermögensbildung darstellt, ist im Normalfall die Erhöhung der Lebensqualität. Die Verbesserung der Lebensqualität ist aber nur dann gegeben, wenn man sich diese ohne Sorgen und Ängste zu Eigen machen kann.

    e) Ein Dach über dem Kopf gehört mit Sicherheit zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Dass aber eine eigen genutzte Immobilie bei Krisen oder gerade im Alter unbedingt von Vorteil sein soll, das stelle ich sehr in Frage. Ich kenne viele ältere Menschen, die ihr Haus sehr gern loswerden würden, dies aber nicht können, weil die Immmobilie entweder keiner haben möchte oder der Verlust einfach zu groß ist. Und eine noch in der Finanzierung stehende Immobilie kann gerade in Krisenzeiten zu einem echten Problem werden.

    Zu diesem Thema ließe sich noch viel, viel mehr sagen. Es ist auch keinesfalls so, dass ich Immobilieneigentum ablehne, ganz im Gegenteil. Nur eben nicht zu jedem Preis!

  5. Auf die Inflation und künftige Einkommenssteigerungen werde ich in einer weiteren Folge zu „Die Verratenen“ eingehen. Ihre Frage wird dann beantwortet werden, versprochen!:-)

  6. So eine 100-Prozent-Fremdfinanzierung habe ich gemacht – nach 20 Jahren war das erledigt mit Hilfe von Sondertilgungen. Raten kan ich dazu nur Leuten, die ihre Finanzen wirklich im Griff haben. – Ein viel größeres Problem sind m.E. die Fälle, die mit Lebensversicherungen finanziert haben. Da wird gar nichts getilgt bis zur Auszahlung der Lebensversicherung. Und wenn die Auszahlung niedriger ist als prognostiziert, entsteht es gerade im Alter ein dickes Loch in der Kasse.

  7. Liebe Susanne, 1000 % richtig Ihre Darstellung! Aber die Welt besteht zu 99 % aus, sagen wir mal, Naivlingen, welche nicht einmal Prozentrechnung beherrschen. Ich selbst habe ein Zweifamilienhaus gekauft und meine Eltern mit rein genommen. Meine Berechnung der kompletten Kreditrückzahlung belief sich auf ca. 5!!! Jahre. Obwohl einiges schief lief, Vater verstorben, Partnerin davongelaufen, habe ich meine Bude in 7!!! Jahren abbezahlt. Kunststück… ich zahlte vor dem Haus 1350 DM Miete und meine Eltern 1280 DM. Da ich den Vorstand meiner Bank kannte, konnte ich Sondertilgung in jeder Höhe realisieren und meine abgehauene Freundin mit 80.000 DM abfinden und trotzdem nach 7 Jahren komplett entschulden. Ich muss noch betonen, dass ich aus der Einkommensklasse unter 5000 Euro Brutto komme… und es ist gegangen! Ja wenn Deppen glauben mit 900 Euro Netto, unsicherem Arbeitsplatz usw. 200.000 Euro Schulden in Vermögen umwandeln zu können… hilft nur noch ein sehr guter Psychiater, Sorry. Ich habe nach Zinsen über 100.000 DM gespart. Herzliche Grüße an eine Gscheite Frau!

  8. In der heutigen Zeit ist nur der auf der sicheren Seiter der seine Immobilie schon abbezahlt hat. Diese sollte in guter Innenstadtlage im A- oder B-Segment liegen. Parallel sollte für einen wahrscheinlich in der Zukunft eintretenden Lastenausgleich mindestens 10% des heutigen Wertes in physischem Edelmetall gehalten werden was OTC eingekauft wurde. Bei den eintretenden wirtschaftlichen Repressionen kann aus diesem anonymen Kapitalstock der Lastenausgleich bedient werden, damit steht man nach dem Game over bedeutend besser da als der Rest der Bevölkerung. Wir haben das in einer Eigentümergemeinschaft so geregelt, dass wir 10% des Wertes mit physischen EM hinterlegt haben und weiterhin für 1 Jahr die laufenden Kosten aus auch noch aus Edelmetallbeständen decken können. Dies gilt für ein 10-Familien-Haus wo zum Glück alle gleich „ticken“. Bedeutet de facto rechnerisch, für eine Immobilie im Wert von 300T€ sollten Edelmetalle i.H.v. ca. 35T€ als absolute Sicherheit vorhanden sein. So kann man ruhiger schlafen…..

  9. Sehr geehrte Frau Kablitz,

    Danke für diesen Artikel, den ich soeben meinen jungen, hübschen, aber trotz jahrelangen Umgangs mit mir altem Berufspessimisten 😉 noch immer etwas zu gutgläubigen Sekretärinnen vorlas — und blankes Entsetzen erntete.

    Auch ich stand vor etwa 20 Jahren vor der Alternative, ob ich meine Wohnung bloß miete, oder in diesem schönen Altbau der Jahrhundertwende Wohnungseigentum erwerbe. Gut, damals waren die Zinsen für Immobilienkredite etwa bei 6% angesiedelt, die Miete war dank Verhandlungsgeschick recht günstig, und ich stellte auf Basis dieser Zahlen fest, daß die Netto-Jahresmiete (also ohne Betriebskosten und USt) etwa soviel ausmacht, wie die jährlichen Zinsen für den Kredit (bei 100% Fremdfinanzierung). Ich sagte mir damals zum Glück: »Laß es sein!« — sicher: in weiteren 20 Jahren wäre ich endlich Eigentümer der Wohnung, das ist schon richtig! Aber lohnt es sich, quasi fast nur für die Erben zu arbeiten?

    Wer Kinder hat, und in Generationen denkt, wird sagen: ja, es lohnt sich — sollte aber bedenken, daß so eine Wohnung (oder kleines Häuschen in einer Stadtrandsiedlung) ja zumeist kein Familienschloß ist, mit dem geheiligte Familientraditionen und schöne Erinnerungen verbunden sind, sondern ein nach 40 Jahren recht heruntergekommenes Nutzobjekt, dessen subjektiver Wert kaum höher sein dürfte als der Marktwert für solche »Dutzendimmobilien«. Und der ist, wenn man verkaufen muß, meist deutlich niedriger, als man sich’s vorstellte!

    Sie haben leider völlig recht: meist ist es bloß ein Hamsterrad in Reinkultur …

  10. Sehr guter Artikel. Allerdings würde ich nicht nur die 100 % FK Finanzierungen mit hereinnehmen, sondern auch die bis 50 %. Das System wird keine 5-10 Jahre mehr halten. Die Staatsanleihenblasen werden platzen, in Japan, USA oder auch dem finanziell solideren Deutschland. Dann wird sich jegliche Verschuldung als extreme Belastung herausstellen.

  11. Ja ja, die Wahrheit tut weh! Sehr guter Artikel, hoffentlich wacht der eine oder andere auf. Viele werden untergehen und sich wieder mal wundern!

  12. Nur nebenbei. Ein Eigenheim ist keine Investition, sonder Konsum, obwohl uns immer das Gegenteil eingeredet wird. Es ist keine GeldANLAGE, weil bei einem Verkauf, meistens Kapital eingebüßt wird. Eine Geldanlage ist es nur, wenn wir die Wohnung, die wir käuflich erworben haben, vermieten, also Gewinn drauß schlagen. Und kleine Eigenheimbauer werden, wenn es so weitergeht, auf alle Fälle die Gelackmeierten sein. Wem interessiert es in diesem Land, wie es den kleinen Leuten geht? Nein, es ist keine Schwarzseherei. Erst haben wir die Banken mit unseren Steuergeldern gerettet und dann werfen uns die Geretteten vor (die Hintermänner, denen alles gehört), der Staat hätte eine Schuldenkrise und wir müssen noch einmal die Folgen dessen tragen. Das ist Enteignung vom Feinsten, wenn es für uns nicht so tragisch wäre.

  13. Wunderbarer Beitrag !

    Ich würde eine Immobilie, außer wenn ich sie zu Vermietungszwecken erwerbe, niemals als Geldanlage sehen. Aber das nur nebenbei.

    Wenn man nun wissen will, ob sich der Kauf einer eigengenutzten Immobilie generell lohnt, so muß man meiner Meinung nach seine gesamte Lebenszeit betrachten.

    Die Immobilie ist einmal abgezahlt. In der Regel sollte und wird dies bei Eintritt ins Rentenalter der Fall sein, oft auch schon früher. Ab diesem Zeitpunkt zahle ich dann nur noch für die Instandhaltung. Das tue ich als Mieter natürlich über die Miete auch. Jedoch wird ein Vermieter natürlich etwas mit seinem Objekt verdienen wollen und deshalb beinhaltet eine Miete neben den reinen Erstattungen für den Aufwand des Vermieters auch eine mehr oder minder große Marge. Das ist der Gewinn des Vermieters. Und diese Marge zahle ich als Eigentümer dann natürlich nicht mehr.

    Auf die Lebenserwartung eines Menschen gerechnet ist der Kauf einer Immobilie also grundsätzlich etwas, was sich lohnt. Zumindest rein finanziell.

    Man darf aber nicht vergessen, daß man sich jegliche Flexibilität raubt. Ein Mieter kann jederzeit umziehen, wenn es die Lebensumstände erfordern. Ein Eigentümer kann dies nicht. Dies wird von sehr vielen Immobilienkäufern nicht bedacht oder verdrängt. Dies kann sich leider sehr schnell rächen. Und dann muß man unter Umständen überhastet verkaufen oder vermieten.

    Und wie der Artikel hier wunderbar beschreibt, binde ich mich als Immobilienkäufer jahrzehntelang an meine Bank. Denn die Abzahlung der Hypothek wird bei den meisten Menschen Jahrzehnte dauern. Kaum etwas versklavt jedoch mehr und nachhaltiger als Schulden.

    Die Annahme, jeder Amerikaner hätte als höchstes Lebensziel ein Eigenheim anzustreben, hat Millionen Amerikaner in den Ruin gestützt und war maßgeblich mitverantwortlich für die Finanzkrise.

    Der soziale Druck, ein Eigenheim oder eine Eigentumswohnung zu erwerben, ist in Deutschland weitaus geringer. Und das ist auch gut so, schützt es doch die Menschen vor überhasteten Fehlentscheidungen. Das gilt um so mehr, als das Eigentum in Deutschland um ein Vielfaches teurer ist als in den USA.

  14. Und jetzt die unangenehme Wahrheit:
    Geld = Schuld (oder anders formuliert: Geldvermögen = Schulden)
    Im Schuldgeldsystem kommt Geld ausschließlich durch neue Kredite ins System (durch die Banken, welche Ihrerseits das Geld von den Notenbanken borgen) Gibt es nicht genügend „gute“ (solvente) Schuldner muss sich letztendlich der Staat verschulden, also jeder von uns (und z.B. Banken retten da Immobilenkredite ausfallen)

    Aber das entscheidende: jedesmal wenn ein Kredit tatsächlich zurückgezahlt wurde ist das Geld VERSCHWUNDEN! Erst nachdem die Bank erneut einen Kredit vergeben hat existiert das Geld wieder.

    Was sie also eventuell „vorschlagen“: Wir kaufen zu diesen Preise keine Immoblien mehr, also fallende Preise, Deflation! Weniger Kredite, Geld verschwindet aus dem System. Deflation will man scheinbar auf keinen Fall. (und bitter für die Leute die teuer gekauft haben).
    Fazit: Freuen Sie sich das es noch genügend Leute gibt die sich freiwillig verschulden. Andernfalls wird man uns schon dazu zwingen , leider! (obwohl das ganze natürlich ein Pyramidenspiel ist, ohne Wachstum klappts nicht dauerhaft)
    lg

  15. Michael: Dass wir in einem Schuldgeldsystem leben, das zwangsläufig an seine Grenzen stossen wird, ist kein Geheimnis, wenn Sie sich mit den Artikeln der Autorin vertraut gemacht hätten. Da Sie das ganz offensichtlich nicht getan haben, ist es sehr merkwürdig, dass Sie schreiben, sie solle doch „froh sein“, wenn es Menschen gibt, die sich verschulden. Ein deflationärer Schock ist selbstversändlich die Folge, eine andere Heilung sehe ich aber nicht! Dass dieser sich nach den ganzen Exzessen nun besonders schlimm zeigen wird, ist keine Frage der besonderen Erkenntnis sondern logische Konsequenz.

  16. Verehrte Susanne, so richtig Ihre Thesen einerseits sind, so falsch sind sie bei Änderung des Betrachtungs-Standorts:
    Mit Vernunft läßt sich das psychologische Moment des Lebens im „eigenen Haus“ nicht aufwiegen.
    Vernünftigerweise sollte nur ein Haus gekauft werden, zu dem gar kein Kredit gebraucht wird. Denn in jedem anderen Fall wäre die persönliche Belastung stets höher als die Vergleichsmiete in einer Wohnung.
    Bei einer Mietrendite von brutto ca. 4 – 5% (nach Steuern i.d.R. ca. 2% = mit Ach & Krach Inflationsausgleich für den Eigner kann man sich ohnedies nur wundern, warum noch Wohnungen gebaut werden. Billiger, als in einer Mietwohnung, ist wohnen nicht möglich.

  17. Schöner Beitrag,
    der Immobilienmarkt wird sich meiner Meinung nach in den nächsten 20 Jahren stark verändern. Auf der einen Seite die ländlichen Gebiete in keiner mehr möchte. (Keine Schule, Läden, schlechte Anbindung) Auf der anderen Seite die heruntergekommenen Städte (Ruhrgebiet / Berlin) und Städte wie München oder Hamburg mit extrem hohen Mieten / Immobilienpreisen.
    Hier kann es sich rechnen jetzt eine Immobilie zu kaufen, allerdigs nie mit weniger als 30% Eingenkapital.
    Ein Haus ist eben auch immer ein Statussymbol das man sieht, die Freiheit sich nicht alles vom Arbeitgeber gefallen lassen zu müssen sieht man eben nicht auf den ersten Blick.

  18. Hallo!
    Den Hauptverdienst von Frau Kablitzs post sehe ich darin, dass sie dramatisch verdeutlicht, dass man sich nicht einfach in ein Leben in der „naechst hoeheren Klasse“ „hineinfinanzieren“ kann. Deshalb begreife ich unser System als „Feudalsozialismus“. „Sozial“, weil er fast jedem die (meist kurzfristige) Illusion eines Wohlstande ohne Diskriminierung ermoeglicht, solange die Zahlungen weiterlaufen. „Feudal“, weil er systemgleich ist mit der Zeit, in dem die durch Kredite leibeigen gemachten Untertanen anstelle echten Geldes nur Gutscheine bekamen die ausnahmslos nur in den Geschaeften des Herrn Gueltigkeit hatten. In unserer perversen Mischwirtschaft wird jeder gleichmaessig uebervorteilt. Wenn das nicht sozial ist…
    Ich freue mich auf Frau Kablitzs naechste post.
    Gruesse

  19. Pingback: Die Verratenen – oder der Traum vom Eigenheim › Geld & Bewusstsein

  20. Ich nehme kurz Bezug auf den Kommentar von Michael – er trifft es auf den Punkt! Willkommen in der Realität! Wenn sich kein niemand mehr verschuldet und sämtliche am Markt befindlichen Schuldpapiere liquidieren ergo zurückzahlen – dann haben wir den wirtschaftlichen Supergau!

    Und die Aussagen sind nicht korrekt – in Teilen arbeiten Sie mit einer MiMäRe auf Deutsch = Milchmädchenrechnung. Sie beschreiben den klassischen Fall der annuitätischen Darlehen und lassen außer Acht, dass es sogenannte Konstantmodelle bzw. Finanzierungen mit Zinssicherungsoptionen gibt (Zinssicherheit über die komplette Laufzet und damit Ausschluß des Zinsänderungsrisikos), ebenfalls bietet der Staat Tilgungszuschüsse für eigengenutzte Objekte (Verkürzung der Laufzeit um bis zu 10 Jahre). Damit meine nicht die Zuschusse in KfW-Programmen für energetische Sanierung oder energetisches Bauen. Aber zurück zur Milchmädchenrechnung – bei einem annutitätischen Darlehen gibt mit jeder monatlichen Rate eine Veränderung des Verhältnisses zwischen Zins und Tilgung zu Gunsten steigender Tilgungsanteile. Wenn Sie nach 15 Jahren einen Folgezins von 6,5% annehmen, dann ist Ihre Aussage, dass sich dies nicht auf die Laufzeit auswirkt völlig falsch. Ein Annuitätdarlehen über 100.000 EUR zu einem Anfangssollzins von 3,57% p.a.(3,62% eff.) und einer Tilgung von 1,0% mit einer Zinsbindung von 15 Jahren und einem Anschlusszins i.H.v. 6,5% p.a. hat ohne Sondertilgung eine Gesamtlaufzeit von 33 Jahren und 1 Monaten. Die Gesamtkosten belaufen sich dann sogar auf 430.250,53 EUR. Wenn man nun geschickt den Tilgungszuschuss des Staates nutzt, verkürzt sich die Laufzeit auf 28 Jahre 1 Monat und Gesamtkosten von 378.910,41 EUR. Wenn man nun noch eine Zinssicherung einbaut und damit der Folgezins nach 15 Jahren z.B. bei 2,75% liegt und wir mit einer gleichbleibenden monatlichen Rate arbeiten, dann verlängert sich die Laufzeit zwar wieder auf 32 Jahre 8 Monate, aber die Gesamtkosten sinken Richtung 346.032,28 EUR. Damit schliessen wir eine explodierende monatliche Rate aus und vergleichen wir es mit einem Mieter schließen wir das Risiko von Mietsteigerungen aus und Miete wird bis zum Tod gezahlt, das berücksichtigen Sie ebenfalls nicht in Ihren Ausführungen. Ein EFH ist kein echter Vermögenswert – Ziel der meisten ist Lebensqualität zu steigern und ein mietfreies Wohnen im Rentenalter zu realisieren. Die vorgenannten Werte können noch weiter optimiert werden, denn z.B. die nutzung von KfW-Mitteln bzw. bisher nicht berücksichtigte Sondertilgungen (machen die meisten im 7./8. Jahr nach Anschaffung oder Fertrigstellung) zum ersten Mal.

    Weiterhin sind 100% Finanzierungen nichts Ungewöhnliches und was spricht dagegen? Lieber das Geld für Mietzahlung ohne anspruch auf Eigentum „zum Fenster“ rausschmeißen? Das entspricht unter gleichen Bedingungen und ideell gesehen auch einer 100% Finanzierung. Die Statistik sagt übrigens aus, dass die Deutschen im Schnitt nach 24 bis 25 Jahren mit der Finanzierung fertig sind. Ihren Aussagen stützen wieder die Theorien, dass Eigentum schaffen nur etwas für Eliten ist, welche ein Eigenkapital von 20 bis 40% mitbringen. Woher kommt die Annahme, dass dies so sein soll? Weill uns unsere Eltern und Großeltern schon in Kindheitstagen mit der Aussage geprägt haben, dass man 20% Eigenmittel mitbringen soll und 80% von der Banken kommen? Hm, haben die damals nicht mit Öl oder Kohel geheizt und wir heizen heute zumeist mit hocheffizeinten Gasbrennwertthermen oder sogar Wärmepumpen verschiedenster Technik? usw. Die Zeiten ändern sich!

  21. Lieber Stefan,

    na gut, schauen wir uns meine „Milchmädchenrechnungen“ doch einmal genauer an.
    Zunächst einmal ist es Ansichtssache, ob man zur Vermeidung des „Supergaus“ gezielt beitragen sollte, indem man Schulden macht. Irgendjemand wird diesen Gau ertragen müssen, wenn nicht wir, dann jemand nach uns. Wie ich aus diesem Text heraushöre, möchten Sie lieber verschont bleiben!

    Ich bin von einem annuitätischem Darlehen ausgegangen, da es immer noch das meist genutzte ist. Selbstversändlich gibt es Konstantmodelle und Zinssicherungsoptionen, die sind aber teuer und bergen das Änderungsrisiko, das jede Bank und jede Bausparkasse in ihren Vertragsbedingungen ausdrücklich ausweist. Auf diese Zinssicherungsoption gehe ich zu einem späteren Zeitpunkt nochmals ein.
    Sie weisen auf Tilgungszuschüsse des „Staates“ hin und werden hier leider nicht konkret. Mir sind ausser dem Programmen für energieeffizientes oder ökologisches Wohnen, energieeffizientes Sanieren und Wohnriester keine weiteren Programme bekannt. Sollten Ihnen andere Informationen vorliegen, dann bitte raus damit.
    Mal abgesehen davon, dass es eine Frage der Einstellung ist, ob man sich vom Staat (also von den Steuerzahlern) sein Eigentum mitfinanzieren lässt, gibt es z.B. bei Wohnriester einige doch bedenkenswerte Punkte, die mitbenannt werden sollten, wenn sie von Zuschüssen vom Staat schwärmen.

    Nun zu den Berechnungen. Leider haben Sie den Ausgangswert und die Laufzeit des Darlehens verändert, aber mit Ihren Zahlen können wir gerne fortfahren.
    Ein Annuitätendarlehen von 100.000 € wird bei einem Anfangssollzins von 3,57 % nominal zu 1 % Tilgung über 15 Jahre finanziert.Die Restschuld beträgt nach 15 Jahren 80.198,42 €, die monatliche Rate beträgt 380,83 €. Nun finanzieren Sie diese Restsumme zu einem Zinssatz von 6,5 % nominal weiter. Bei einer Rate von 501,24 € benötigen Sie 31 Jahre und 8 Monate, also insgesamt 46 Jahre und 8 Monate, um das Darlehen komplett zu tilgen. Insgesamt haben Sie für ein Darlehen von 100.000 € den Gesamtbetrag von 255.506,39 € aufgebracht. Dies entspricht fast genau den gleichen Zahlen von der 2,5 maligen Finanzierung eines Hauses wie ich es in meinem Artikel angebracht habe.Noch erkenne ich hier keine Milchmädchenrechnung! Eine rein höhere Zinszahlung wirkt sich eben tatsächlich nicht günstig auf die Laufzeit aus, das ist eben nicht genau falsch, so leid es mir tut!
    Was Sie mit einer „geschickten“ Ausnutzung von Tilgungsmodellen meinen, erschließt sich mir nicht. Hier müsste „geschickt“ näher beschrieben werden.

    Weiterhin gehen Sie von einer Zinshöhe von 2,75 % über die gesamte Laufzeit aus. Das finde ich auch attraktiv, darum ging es aber in meinem Artikel nicht.
    Über den Realismus kann man sich sicherlich streiten, was aber hier fehl am Platz ist.

    Zum einen legen Sie eine Finanzierungssumme von 100.000 € statt 210.000 € wie in meinem Beispiel zugrunde, was die Zinskonditionen verändert, zum anderen gehen Sie davon aus, dass sich in einenm dreissig- oder vierzigjährigen Leben nichts verändern wird, was zu einer Konditionsänderung führen könnte. Das Eigentum unter Umständen die Lebensqualität steigert, habe ich nicht bestritten, ganz im Gegenteil, dass das Wohnen im Alter in einem Eigenheim mietfrei ist, auch nicht. Wenn Sie aber schon davon reden, sollten Sie auch Reparaturen und Sanierungen nicht unter den Tisch fallen lassen. Wenn Sie hierfür keine Rücklagen bilden, können Sie sich das „mietfreie“ Wohnen im Alter abschminken.

    Sie sprechen von Sondertilgungen, was ja grundsätzlich sehr zu begrüßen ist. Das „die meisten“ das im 7. bis 8. Jahr machen, lässt darauf schließen, dass Sie entweder sehr viele Menschen kennen, die mit Ihnen ihre Finanzierung besprechen oder aus der Branche kommen. Echte Zahlen würden mich hier interessieren, sonst ist das heisse Luft.

    Wer sagt, dass Mieter ihr Geld zum Fenster „rausschmeissen“? Wer sein Haus 2,5-fach abbezahlt, ist cleverer?
    Welche Statistik sagt aus, dass die Deutschen nach gut 25 Jahren mit ihrer Finanzierung fertig sind? Die Statistik (mit Quelle) bitte ich zu veröffentlichen.

    Sie schreiben, dass meine Aussagen „wieder die Theorien stützen“, dass Eigentum nur etwas für die Elite ist. Das, lieber Stefan, ist wahrlich Unsinn. Meine Aussagen stützen die These, dass es sinnvoll ist, Geld anzusparen, um dann weniger Zinsen zu zahlen. Meine Großeltern haben mir tatsächlich beigebracht, möglichst viel zu sparen und mir nur das zu leisten, was ich mir auch leisten kann. Was das mit elitären Thesen zu tun haben soll, ist mir nicht begreiflich.

    Nach dem nun sehr langen und ausführlichen Text kann ich die „Milchmädchenrechnung“ immer noch nicht ergründen. Ihre Hilfe ist hier unumgänglich!

  22. Ich habe einen Fehler in meinen Ausführungen entdeckt – ich beziehe mich meinen Zahlen ebenfalls auf 210.000 EUR Darlehensvolumen. Ja, ich bin Finanzierungsberater und berate täglich Menschen zum Wunsch von ihrem eigenen Heim. Hier rate ich auch dem ein oder anderen ab.
    Die Zahlen zur Sondertilgung basieren auf meinen und denen meiner Netzwerkpartner. Die Zahlen zur tatsächlichen Tilgungsdauer gehen auf Auswertungen des statistischen Bundesamtes zurück.

    Omma und Oppa habe sicher recht, wenn sie sagen, Kauf dir nur das, was du dir leisten kannst. Als Betriebswirt habe ich gelernt, dass ich mit Modellen arbeite. Nun kann ich mind. 2 Modelle annehmen – zum Einen, ich konsumiere/leiste mir nur das, was ich aus Erspartem leisten kann oder ich habe eine Sache, welche ich monatlich zahle, z.B. eine Mietwohnung oder ein Auto. Hierfür mache ich Kassensturz meines monatlichen Liquiditätszuflusses und ermittle damit, was ich monatlich leisten kann, unter Beachtung eines zu bestreitenden Lebensunterhaltes und auch Sparraten. Zum ersten Fall unterstelle ich nun, ich habe bspw. keine Sparrücklagen, ergo kann ich nicht mieten. Das ist etwas Provokant, ich weiß! Aber unsere Großeltern haben andere Zeiten erlebt und geprägt.

    Liebe Susanne nun kannst Du dahergehen und die nächsten 3 Jahre sparen. Sagen wir Deine Einkommensverhältnisse lassen es zu, dass Du monatlich 1.000€ sparen kannst. Was gibt der Zinsmarkt aktuell her? 1,0% jährlicher Verzinsung?! Die tatsächliche Inflationsrate (also nicht die politisch schöngerechnete) liegt wohl um und bei 4,0% per Anno. Damit ergibt sich ein Kaufkraftverlust von jährlich 3,0% des Ersparten. Ziel ist der Bau eines EFH in 3 Jahren mit einem Volmen von 210.000€. 😉
    Dann muss ich natürlich nur noch 174.000€ finanzieren. Nun machen wir das Modell noch etwas realistischer und präziser. Während der Sparphase zähle ich monatlich 800€ Miete macht 28.800€. Zusätzlich behaupte ich (so war es in dem zurückliegenden 3 Jahren), dass ich in 3 Jahren für gestiegene Grundstückspreise und Hauskosten 15.000€ mehr aufwenden muss. Damit ergeben sich Gesamtkosten von 225.000€ für Haus und Grundstück. Dann behaupte ich, wir werden in 3 Jahren Zinsen wie vor 3 Jahrem haben, ergo muss ich dann mit ca. 4,3% p.a. Mischzins rechnen. Heute dagegen kann ich einen Mischzins von 2,8% ansetzen zzgl. Zinsoption nach 15 Jahren 2,75% p.a. und damit sind wir nun in Modell 2. Der Darlehenszins liegt unterhalb der Inflationsrate und ideeller Weise gehen wir nur davon aus, dass das Haus im Wert nicht steigt sondern immer 210.000€ Wert sein wird. Rechnen wir zusammen – Modell 1 36.000€ ansparen, -3,0% Kaufkraftverlust (4,0% Inflation – 1,0% Sparzins) 1.080€, 28.800€ Miete und 15.000€ Mehrkosten durch Preissteigerungen. Diese drei Positionen ergeben 44.800€ Kosten ohne Finanzierungskosten. Zu finanzieren habe ich 189.000€ zu 4,3% p.a. (Bei 1,0% anfänglicher Tilgung) ergibt Zinskosten für die ersten 10 Jahre von 75.151,19€ zzgl. der vorher errechneten Kosten i.H.v. 44.800€ sind dies in Summe 119.951,19€ für 13 Jahre. Ich habe die Sparleistung und die Tilgung nicht berücksichtigt, da dies keine Kosten darstellen. Eine Darlehenstilgung ist eine vorgezogene Sparleistung. Im Modell 2 erwarten uns für die ersten 13 Jahre folgende Kosten: Zinszahlungen für Darlehen i.H.v. 210.000€ zu Mischzins 2,8% p.a. und 1,0% anfängl. Tilgung = 69.970,64. Zu Gunsten Modell 2 ergibt dies 49.980,55€. Nun muss ich aber, um tatsächlich gleichzuziehen, berücksichtigen das bei einer monatlich Zins- und Tilgungsrate von 658,82€ ebenfalls eine zusätzliche Sparrate von 1.000€ im Monat möglich ist und somit in 3 Jahren 36.000€ als Guthaben vorhanden sind. Zzgl. Kostenvorteil von 49.980,55€ eine Summe 85.980,55€. Das durch 13 Jahre ergibt eine mögliche Sondertilgung i.H.v. 6.613,89€. Wir unterstellen hier einen disziplinierten Häuslebauer zu haben und dieser macht diese Sondertilgungen tatsächlich. Ergibt dann wiederum tatsächliche Zinskosten von 53.933,67€ (13 Jahre). Und eine Restschuld von 75.176,88€ sowie schuldenfrei in 19 Jahren. Zurück zu Modell 1 hier beträgt die Restschuld nach 10 Jahren (+3 Jahre Ansparphase) = 156.348,87€. Bringen wir nun die Zahlen insgesamt ins Verhältnis, ergo rechnen wir die Sparleistungen und die Tilgungsraten mit ein. Modell 1: bereits errechnete Kosten 119.951,19€ zzgl. 36.000 Sparrate zzgl. 32.651,13€ = 188.602,32€. Modell 2: Zinskosten 53.933,67€ zzgl. Sondertilgung 85.980,55€ = 139.914,22€. Restschuld Modell 1 = 156.348,87€ vs. Restschuld Modell 2 = 75.176,88€.

    Ich habe nun weder meinen genannten Tilgungszuschuss – ja, Wohnriester ist richtig! Noch Tilgungszuschuss für KfW55- oder KfW40-Standard im Paket 153 berücksichtigt. Sicherlich würden die Zahlen anders aussehen, wenn wir annehmen in 3 Jahren bleibt es bei 210.000 Gesamtkosten und der Mischzins liegt ebenfalls bei 2,80%. Selbst dann wir für den Sparer der Vorteil nicht nennenswert sein sondern eher werde beide in etwa pari sein. Nun weg von Omas und Opas altbackener Weisheit und hin zu den Zahlen – was spricht gegen eine 100% Finanzierung?
    Ich neige sogar bei der aktuellen Zinssituation dazu, dass Kunden mit Eigenkapital zwischen 3′ bis 10′ EUR dieses nicht einzusetzen, um ein Sicherheitspolster für nicht vorhersehbare Umstände – lange Krankheit, Arbeitslosigkeit …

  23. Liebe Susanne, sehr intelligent, wie Sie es dem Dummschwätzer nachgerechnet haben… ja gerechnet! Wie ich schon schrieb, verstehen diese Naivlinge nicht einmal Prozentrechnung. „Geschickte“ Tilgung habe ich auch beschrieben. Aber dazu muss man den Vorstand der Bank kennen, um solche Tilgungskonditionen überhaupt zu erhalten. Und noch viel wichtiger, man muss sich durch Sparsamkeit solche Sondertilgungen auch LEISTEN KÖNNEN… egal in welcher Gehalts- oder Einkommensklasse! 100.000 Euro im Monat lassen sich nämlich leichter ausgeben als 1000 kleine Eurochen… nur das können 750-Euro-Schafe leider absolut nicht verstehen… was wiederrum verständlich ist. Ein dreifaches Määääh an die Schafe und vorzügliche Grüße an die echt gscheite Frau!!!

  24. Nachtrag: Jede Haus-Kreditfinanzierung, welche unter Annahme der wirklich allerschlimmsten möglichen privaten Katastrophen länger als 5 maximal 10 Jahre währt, ist absoluter Wahnsinn! Das mögen leider die Schafe so sehr. Gehabt Euch alle wohl.

  25. Ihre Rechnung enthält m.E. keinen Fehler. Es hat etwas mit dem „in-die-Tasche-lügen“ zu tun. Niemand hier wird wahrscheinlich von einer Finanzierung wissen die beworben wird mit etwas anderem als einem nominal niedrigem Zins.

    Und immer wird so getan als ob „nie“ etwas kaputt geht oder repariert werden müsste. Bei einer Finanzierung über 40 Jahre sind folgende größeren Reparaturen wahrscheinlich
    – Ersetzung der Heizung
    – Dachreparaturen
    – Fenster

    Über die sogenannten Schönheitsreparaturen schweige ich einfach mal. Es wird auch beim Hausbesitz von-bis gebe. Insgesamt werde ich aber wohl kaum unter 150 € an „Nebenkosten“ kommen. Diese Kosten fallen an egal ob ich in einem vergleichbaren Mietswohnung wohne oder nicht. Alle Großreparaturen sind damit „noch“ nicht abgegolten. Man muß zwar irgendwo wohnen, aber im eigenen Haus müssen Sie ALLE Kosten tragen….. Das wird m.E. total unterschätzt.

  26. Lieber Stefan,

    in Ihrem Beruf als Finanzierungsberater ist es nachvollziehbar, dass Sie Ihren Kunden die Vorteile einer solchen nahelegen. Auf einige Punkte gehe ich abschließend ein.

    1.) Wer nur drei Jahre lang auf den Kauf eines Objektes spart, das ihn im normalen Fall ein Leben lang Geld kosten wird, welches ihn maßgeblich in seiner Bewegungsfreiheit beeinflusst und andere Investitionen stark beeinträchtigt, ist meines Erachtens nur sehr eingeschränkt für den Kauf eines solchen geeignet. Wer ein Leben lang Disziplin üben muss, um die optimalen Bedingungen, die Sie anführen, auch erfüllen zu können, sollte auch vor dem Kauf oder dem Bau einer Immobilie dieselbige zeigen. Hier sind aus meiner Sicht drei Jahre viel zu kurz.

    2.) Sie gehen von immer steigenden Grundstückspreisen aus. Dies ist in der Branche auch üblich, sonst würde nicht so gut verkauft. Da ich hier aber nichts verkaufen muss, ist es aus meiner Sicht nur legitim, dem möglichen Darlehensnehmer auch die Risiken aufzuzeigen.

    3.) Ich habe den Eindruck, Sie haben meinen Text überhaupt nicht richtig gelesen, sondern wünschen nur eine Bestätigung Ihrer Berechnungen und Sichtweisen. Auch auf die Gefahr hin, dass ich Ihnen nun zu nahe trete, aber es ist nicht Ziel dieses Artikels gewesen, optimale Rahmenbedingungen und günstigste Entwicklungen bei der Finanzierung zu unterstellen. Diese bekommt ein Darlehensinteressent an anderer Stelle.

    4.) Ich habe meine Meinung zu staatlichen Tilgungszuschüssen kund getan, dies bedarf keiner Wiederholung. Aus Ihrer Sicht als Finanzberater ist dies aber nachvollziehbar.

    5.) Dass Sie einem Darlehensnehmer, der nur 3` bis 10`€ als Eigenkapital besitzt, nicht dazu raten, dies auch noch in die Finanzierung einzubinden, ist wohl selbstverständlich. Dies sollte allerdings auch selbstverständlich sein, wenn die Zinsen steigen. Jeden Cent, den man hat, in eine Finanzierung zu stecken, ist Harakiri.

    Lieber Stefan, Sie machen Ihren Job und das sicher auch sehr gut. Da aber der Darlehensnehmer das Risiko auf sich nimmt und dafür einstehen muss und nicht der Finanzierungsberater, ist es aus meiner Sicht nur fair, ihm auch mögliche suboptimale Entwicklungen vor Augen zu führen.

  27. Ein Punkt der gerne vergessen wird: als Hausbesitzer wird man schnell zur Melkkuh der Gemeinde. Das merken gerade Nachbarn im Dorf, die pro Haushalt 30 000 Euro zusätzlich aufbringen müssen, weil der Bürgermeister eine neue Straße wollte. Jetzt in der Eifel neu installierte „Sparkommissare“ greifen erstmal zur Verdoppelung der Grundsteuer. Ich traue da der Einschätzung des Handelsblattes, dass selbstgenutzte Eigenheime nicht mehr ratsam sind, weil die Politik unkalkulierbar geworden ist – und der Hausbesitzer ist nach dem Arbeitslosen einer der wehrlosesten Opfer..

  28. Ich bin sehr froh, mein Haus verkauft zu haben! Mit „Gewinn“, welchen meine Eltern, die in dem Haus gewohnt habem, allerdings in 40 Jahren um ein Vielfaches vorfinanziert haben. Hätten sie ihr Leben lang in Mietwohnungen gewohnt: Sie hätten ein ECHTES Vermögen zusammen sparen können! *seufz*

  29. „Ein Punkt der gerne vergessen wird: als Hausbesitzer wird man schnell zur Melkkuh der Gemeinde.“

    Das beschreibt es ganz genau, nicht umsonst heißt es Immobilie…. Kann nicht weglaufen, ein ideales Opfer. Und wir wissen das ist alles nur zu unserem Besten…

  30. Pingback: Immer beliebter: Eigenheim und ETW | Tiny Houses

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